Weißhaidingers Startschuss in die Saison erfolgt in Schwechat
Erstmals seit drei Jahren begibt sich Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger wieder zu einem kleinen Wettkampf auf das Rekordfeld von Schwechat. Dort sind aufgrund der Wahl aus vier Wurfkreisen unter Berücksichtigung der Windbedingungen große Weiten möglich. Am Samstag will der 34-jährige Oberösterreicher mit einem Wurf an die 65 m in die Saison starten, deren Höhepunkt die EM im August in Birmingham ist. Es soll für den WM-Neunten 2025 mit der ersten Medaille als Papa klappen.
Am 1. August 2015 machte sich Weißhaidinger in Schwechat mit 67,24 m zum ÖLV-Rekordler, am 19. Mai 2023 schleuderte er ebendort den Diskus auf die bis heute geltende Bestmarke von 70,86 m. „Wir waren jetzt seit längerer Zeit wieder einmal dort und haben ein paar Würfe gemacht und ein bisschen mit den Bedingungen gespielt. Es ist am Samstag keine Flugshow geplant, es geht jetzt einmal darum, wieder reinzukommen und Vertrauen in das Wettkampfgeschehen zu bekommen“, sagte Weißhaidinger im APA-Gespräch. In der Woche darauf ist nochmals ein Testevent geplant, erster Auslandsstart ist am 27. Mai ein Meeting auf Teneriffa.
Training in Südstadt inklusive Spielzeit mit Töchterchen
Für die Diamond League würde sich Weißhaidinger gern empfehlen, eine Teilnahme um jeden Preis, wie beispielsweise in Verbindung mit einem starken Reiseaufwand nach Eugene (USA), müsse man sich aber genau anschauen. Die Diamond League hat in den vergangenen Jahren viel an Format und Modus ausprobiert, die im Vergleich zu früher geringere Anzahl von Würfen (Cut nach nur drei Versuchen) und teilweise langen Wartezeiten kommen nicht bei allen Athleten gut an. „Wir haben auch die Kontinentaltour mit Eisenstadt und St. Pölten im Kalender markiert. Für mich wäre es kein Beinbruch, wenn ich bei der Diamond League nicht am Start bin. Es gibt auch andere tolle Wettkämpfe, wo man gut Punkte sammeln kann“, sagte Weißhaidinger.
Er verzichtete heuer in Abstimmung mit Trainer Högler und dessen Job als Vorstand von Leistungssport Austria auf Teneriffa als Trainingslager-Ort, arbeitete stattdessen seit Anfang März in der Südstadt. Mit Lebensgefährtin Hanna und dem einjährigen Töchterchen Lola hat er am Ende des Vorjahres das Haus in seinem Heimatort Taufkirchen an der Pram bezogen, die Fahrt in den Osten macht die Familie gelegentlich mit. „Da heißt es dann nach dem Training, nicht auf der Couch liegen, sondern spielen, aber das ist ja schön“, berichtete der Athlet.
Mit dem körperlichen Status quo ist er sehr zufrieden. „Wir haben gut trainieren können und ich bin auch verletzungsfrei. Den Zeigefinger an der rechten Hand habe ich mir durch die vielen Würfe ein bissl aufgerissen. Aber das sollte bis Samstag funktionieren, dann spricht nichts gegen einen guten Saisoneinstieg. In den letzten Tagen bin ich immer besser in Form gekommen. Das Timing für den Wurf und die Würfe generell fühlen sich mittlerweile schon sehr gut an.“ Bei den Europameisterschaften soll die Topform da sein, und der bisherigen Medaillensammlung bei Olympia (Bronze 2021), WM (Bronze 2019) und EM (Silber 2024, Bronze 2018) eine weitere hinzugefügt werden.
Erinnerungen an verstorbenen Heimtrainer
Geplant hat Weißhaidinger seine Karriere bis Olympia 2028 in Los Angeles. Reflektiert wird freilich laufend, heuer zwischenzeitlich vielleicht öfter, musste Weißhaidinger doch die Trauer über den Tod seines langjährigen Heimtrainers Josef Schopf bewältigen, der ihn seit Teenagerzeiten begleitete. „Ich denke sehr oft an Sepp, es war für alle sehr überraschend und ein großer Verlust. Es gibt die eine oder andere Situation in meinem Leben, wo ich ihn gerne um Rat fragen würde. Es war eine sehr große Vertrauensbasis da. Ich glaube, dass er mir noch zuschaut. Jede gute Windböe im Training ist von ihm, denke ich mir immer.“
In Erinnerung an Schopf habe er sich die Medaillen von 2009, als er bei den EYOF-Games Gold mit Diskus und Kugel holte, sowie von 2011, als er U20-Europameister mit dem Diskus wurde, nochmals angeschaut und von der Familie Schopfs Unterlagen und Fotos bekommen. „Da habe ich mir gedacht, Wahnsinn, wie lange zurück die Karriere schon reicht und wie viel wir gemeinsam erlebt haben.“ Sepp sei sehr uneigennützig gewesen, er habe alles für den Sportler gemacht, habe das gern gemacht und sei immer auf dem Platz gestanden und habe versucht, ihn jeden Tag besser zu machen. „Diese Eigenschaft wird in Erinnerung bleiben. Ich habe viele Tugenden mitbekommen.“
(APA)
Beitragsbild: GEPA
