Argentinien träumt von Titelverteidigung – ÖFB-Team nur Randnotiz

Der Respekt, mit dem Fußball-Weltmeister Argentinien den Österreichern vor dem WM-Duell am Montag in Dallas begegnet, ist enden wollend. Das 3:0 zum WM-Auftakt gegen Algerien war der achte Sieg in Serie für die von Lionel Messi angeführte „Albiceleste“. Die argentinischen Fans besingen längst „La Cuarta Estrella“, den vierten Stern für den Weltmeistertitel, der beim Turnier in Nordamerika eingefahren werden soll.

Mut macht vor allem Messis Zustand. Der bald 39-Jährige pausierte auch nach seinem Dreierpack gegen Algerien nicht, sondern war bei der ersten Einheit im Trainingszentrum vor den Toren von Kansas City mit einem Lächeln im Gesicht zu sehen – aller privater Schwierigkeiten zum Trotz. Der Gesundheitszustand seines Vaters Jorge, der sich laut einer Stellungnahme der Familie gebessert habe, beschäftigt die argentinische Öffentlichkeit weit mehr als der kommende Gegner.

„Er ist der Größte, wir genießen ihn jeden Tag“, sagt Abwehrchef Cristian Romero über Messi. „Wir wissen nicht, wie lange er noch für das Nationalteam spielt, er ist 39. Aber wir haben dieses Ass im Ärmel, das müssen wir so lange wie möglich genießen.“

Kühlwesten statt Flugmeilen

Romero ist selbst ein wichtiger Mann. Der Clubkollege von Kevin Danso bei Tottenham hatte sich im April eine Innenbandverletzung im Knie zugezogen, die Alarmglocken einer in der Defensive deutlich dünner als in der Offensive besetzten Fußball-Nation schrillten. Rechtzeitig zum WM-Auftakt meldete sich der 28-Jährige aber in Vollbesitz seiner Kräfte zurück. „Wir sind gut gestartet, jetzt müssen wir uns auf das nächste Spiel konzentrieren“, erklärte Romero.

Geübt wird bei über 30 Grad in Kansas City teilweise mit Kühlwesten – Bedingungen, die sich das ÖFB-Team durch sein Teamquartier in Kalifornien und damit weitere Anreisen zu den Spielorten erspart. Der Dreieinhalb-Stunden-Flug nach Dallas steht am Samstag auf dem Programm. Die texanische Hitze wird man nur außerhalb des Stadions zu spüren bekommen. Die Arena der Dallas Cowboys ist voll klimatisiert, im Inneren ist es teilweise relativ kühl. Darauf sollten auch die rund 5.000 ÖFB-Fans vorbereitet sein.

Luxusproblem im Sturmzentrum

Für Argentiniens Langzeit-Teamchef Lionel Scaloni wird es die 98. Partie im Amt. Nicht einmal jede zehnte hat der 48-Jährige bisher verloren. „Wir sind uns völlig bewusst, dass uns jeder Gegner schlagen kann“, betonte Scaloni. „Wir werden uns nicht entspannen.“ Mit einem Sieg wäre Argentinien so gut wie Gruppensieger und würde sein Sechzehntelfinale damit in Messis Wahlheimat Miami bestreiten.

„Unsere Stärke kommt daher, dass wir wissen, wenn wir tun, was wir tun müssen, wird es für jeden Gegner schwer, uns zu besiegen“, meinte Scaloni, den im Angriff weiterhin ein Luxusproblem plagt. Atletico-Madrid-Star Julian Alvarez drängt nach seiner überstandenen Knöchelverletzung in die Startformation – und könnte wie im Lauf der erfolgreichen WM 2022 in Katar Inter-Mailand-Kapitän Lautaro Martinez in die Rolle des Edeljokers verdrängen. Martinez gilt eher als Strafraumstürmer, während Alvarez auch die Tiefe des Raumes zu nutzen vermag.

Auch Linksverteidiger Nicolas Tagliafico ist nach einer Wadenverletzung wieder ins Training eingestiegen. Ein Einsatz von Beginn an dürfte für den 33-Jährigen von Olympique Lyon aber noch zu früh kommen. Argentinische Medien rechnen damit, dass gegen Österreich erneut der vielseitige Facundo Medina, der bei Olympique Marseille primär als Innenverteidiger zum Einsatz kommt, links hinten aushilft. Das Mittelfeld mit Rodrigo De Paul, Enzo Fernandez und Alexis Mac Allister gilt als gesetzt – und als eines der Prunkstücke.

Martinez sieht Algerien vor Österreich

Die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung wurden vom gelungenen WM-Start noch einmal befeuert. „Algerien ist ein richtig gutes Team“, erklärte Weltmeister-Torhüter Emiliano Martinez danach. „Sie bewegen den Ball gut von einer Seite auf die andere, sie haben Geschwindigkeit auf den Flügeln. Ich glaube, dass sie gegen Österreich und gegen Jordanien gewinnen werden.“ Bei zwei Niederlagen in den beiden ausständigen Gruppenspielen müsste das ÖFB-Team auf das Torverhältnis hoffen, um als einer der acht besten von zwölf Gruppendritten weiterzukommen.

Österreichs bisher letztes Duell mit Argentinien liegt 36 Jahre zurück. 1990 erreichten die Österreicher nach Führung durch einen abgefälschten Schuss von Manfred Zsak in einem Test im Wiener Prater gegen den späteren WM-Finalisten ein 1:1. Zehn Jahre davor hatte der junge Diego Maradona die Gastgeber ebendort noch schwindlig gespielt und Argentinien mit drei Toren zu einem 5:1-Sieg geführt. Mit Maradonas Nachfolger Messi bekommt es die ÖFB-Auswahl in Dallas erstmals zu tun.

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