Die KSV Highlanders wussten: „Meister wird man nicht automatisch“

Der Austrian Women’s Hockey League (AWHL)‑Titelgewinn der Dameneishockeymannschaft KSV Highlanders hallt auch Tage später noch nach. Nach diesem Sieg sind wir alle ein bisschen angeschlagen – wir haben natürlich gefeiert“, lacht Assistant Captain Lisa Marchl. „Es ist einfach so cool. Die Freude war riesig.“

Dabei kam im Finale am Samstag alles anders als erwartet. Titelverteidigerinnen und EWHL-Meisterinnen Sabres St. Pölten schieden bereits im Halbfinale überraschend aus. Stattdessen trafen die Highlanders aus Kapfenberg im Endspiel auf die Lakers Kärnten. „Wir haben zwei Drittel des Spiels Lakers gegen Sabres gesehen – die Kärntnerinnen haben Schweiß und Blut reingesteckt“, erinnert sich Marchl im Sky-Interview. Besonders die Torfrau habe „das Spiel ihres Lebens“ gemacht: „49 Schüsse, aber kein Gegentor – das war einfach unglaublich.“

Favoritenrolle mit Verantwortung

Trotz klarer Siege gegen die Lakers im Grunddurchgang war für die Highlanders klar: Das Finale würde eine neue Geschichte schreiben, denn sie haben mit den Sabres als Gegnern gerechnet. „Wir haben sofort gewusst, dass es ein ganz anderes Spiel wird, als erwartet. Auch wenn wir alle Spiele gewonnen haben, waren manche davon extrem knapp. Einmal lagen wir sogar zwei Tore hinten. Uns war bewusst: Meister wird man nicht automatisch.“

Der Start ins Endspiel verlief dennoch ideal. Bereits nach gut eineinhalb Minuten nützten die Steirerinnen eine frühe Strafenserie der Lakers zum 1:0. „Das war extrem wichtig. Am Freitag haben wir viel länger auf das erste Tor warten müssen“, so Marchl. Trotz Überlegenheit blieb es lange spannend: Das 2:0 fiel erst im zweiten Drittel, das 3:0 erst in den Schlussminuten, nachdem Kärnten die Torfrau vom Eis genommen hatte.

„Objektiv waren wir das bessere Team, aber im Abschluss hätten wir mehr herausholen müssen. Bei so vielen Strafen nur drei Tore – das ist eigentlich zu wenig“, analysiert Marchl ehrlich. Gleichzeitig war klar, dass die Kapfenbergerinnen eine überragende Torfrau hatten: „Es hätte definitiv anders ausgehen können.“

„Beim 2:0 habe ich trotzdem gezittert“

Entspannung stellte sich erst spät ein. „Ich sage ehrlich: Ich habe gezittert. Zwei Tore sind im Eishockey nichts“, erklärt die 29‑Jährige. Erst als Kärnten in den letzten zwei Minuten alles riskierte und Kapfenberg den Empty‑Net‑Treffer setzte, war der Titel endgültig fixiert.

Dann brach es aus der Mannschaft heraus: „Es war unglaublich emotional. Es sind Tränen geflossen. Die Saison war hart – auch weil der vierte Platz in der EWHL noch wehgetan hat. Deshalb waren Erleichterung, Stolz und Freude extrem groß.“

Titel mit historischer Einordnung

Für Kapfenberg ist es der erste AWHL‑Titel im neuen Turnierformat, insgesamt der zweite österreichische Meistertitel nach 2022/23. „Wir haben oft um Platz drei gespielt, standen nur wenige Male im Finale“, ordnet die Zeltwegerin ein. Umso größer war die Freude, vor allem, weil auch die EWHL-Meisterinnen aus St. Pölten Teil der Liga sind: „Das zeigt, dass wir in die richtige Richtung gehen und aktuell die beste Mannschaft der AWHL sind.“

Auch auf Instagram äußert sich der Eishockey-Verein zum Highlight der Saison:

Sichtbarkeit im Dameneishockey

Abseits des Eises bleibt Marchls Blick kritisch. Zwar habe sich in den vergangenen zwei Jahren etwas bewegt, etwa durch Social‑Media‑Arbeit oder TV‑Übertragungen, „aber ob sich dadurch wirklich strukturell etwas verändert hat, vor allem bei Sponsoren, weiß ich nicht. Es liegt noch so viel Arbeit vor uns.“

Ein Beispiel nennt sie offen: „Spielerinnen bekommen für eine Best‑Player‑Auszeichnung einen Regenschirm – im Finale dann eine Schokolade dazu. Das ist einfach peinlich.“

Auch der Termin des Final‑4 stößt auf Unverständnis. „Ein Osterwochenende ist unglücklich. An Karfreitag oder Karsamstag kommen kaum Zuschauer. Letztes Jahr, eine Woche vor Ostern, waren deutlich mehr Leute da. Dieses Mal waren fast nur Familie und Freunde – das ist traurig für die höchste Liga Österreichs.“

Die große Bühne für Österreichs Fraueneishockey

Saisonende und ein Blick in die kommende Saison

Nach einer langen Spielzeit ist nun vorerst Pause. „Die Luft ist draußen, wir waren so viel unterwegs“, sagt Marchl. Ganz abschalten geht aber nicht: Individuelle Trainingspläne, Ausdauertests zu Saisonbeginn und ein Sommer‑Trainingscamp stehen bereits fest. Auch ein Nachwuchscamp für Kinder ist geplant.

Warum sie all das auf sich nimmt, beantwortet Marchl ohne Zögern: „Ich könnte mir mein Leben nicht anders vorstellen. Von September bis April auf dem Eis zu stehen, ist für mich selbstverständlich.“ Der Hauptgrund sei der Teamzusammenhalt. „Man verpasst Familienfeiern, auch Ostern – aber das nimmt man in Kauf. Und dieses Wochenende hat gezeigt: Es hat sich ausgezahlt.“

Beitragsbild: Wolfgang Handler