Leclerc mit langfristigem Vertrag – aber Hamilton liefert
Seit dem Wechsel von Lewis Hamilton zu Ferrari im vergangenen Jahr lief es bis zur letzten Woche bei der Scuderia alles andere als nach Wunsch. Eine sieglose Saison brachte den Roten nur den vierten Platz in der Konstrukteurswertung ein. Bis zum jüngsten Rennen in Barcelona fuhr man Mercedes hinterher. Charles Leclerc, seit 2019 im roten Boliden unterwegs, erhielt kürzlich einen langfristigen Kontrakt. Doch plötzlich geigt Hamilton auf.
Dem Engländer schien nach dem vielumjubelten Triumph in Barcelona bei Ferrari der Durchbruch gelungen zu sein. Der 41-Jährige zeigte sich nach der Zielflagge hoch emotional und brachte ins Ferrari-Lager wieder so etwas wie Glaube und Hoffnung zurück. Und das, obwohl WM-Leader Kimi Antonelli im Mercedes momentan 41 Zähler vor dem siebenfachen Weltmeister liegt.
Teamintern scheint der Altstar Teamkollegen Charles Leclerc den Rang klar abgelaufen zu haben. Vier Podestplätze und der jüngste Sieg in Barcelona belegen dies klar. Leclerc kam in der laufenden Saison lediglich auf zwei dritte Ränge. Der Monegasse liegt in der Fahrer-WM-Wertung 40 Zähler hinter Hamilton und hat schon jetzt kaum noch realistische Chancen auf die Weltmeisterschaft.
Teamchef Frederic Vasseur wird teamintern auf den Briten setzen müssen, will man die 19-jährige Durststrecke ohne einen roten Weltmeister beenden. Der Franzose bekannte sich auch nach dem Sieg klar zum 106-fachen Grand-Prix-Sieger. „Lewis war in der Lage, nach einem schwierigen Moment zurückzukommen und sich neu zu fokussieren. Sein Engagement ist eine enorme Unterstützung für das gesamte Team“, betonte Vasseur nach dem Sieg in Barcelona.
Leclerc chancenlos?
Leclerc, mittlerweile 28 Jahre alt, scheint auch heuer wieder Probleme zu haben. Zu oft wurde er von Fehlern gebremst, was ein Mitfahren um die WM verhindert. Seit 2019 platzierte Leclerc den Ferrari 27-mal auf die Pole Postion. Nur fünf von seinen insgesamt acht Siegen gelangen ihm vom ersten Startplatz aus. Das ergibt eine schwache Quote von 18,5 Prozent und ist gemessen an der Anzahl der Pole Positions Negativrekord in der Historie der Formel 1. Technische Gebrechen, Fahrfehler und auch die Überlegenheit der Konkurrenz machten ihm die Chancen auf einen WM-Titel stets frühzeitig zunichte.
Vor seinem Heim-GP in Monaco unterschrieb er einen neuen Vertrag, was ihm einen langfristigen Platz bei den Italienern einbrachte. Wegen Bremsproblemen war in Monaco wieder vorzeitig Schluss. Beim Hamilton-Sieg in Barcelona schied Leclerc erneut kurz vor Rennende wegen technischen Problemen aus.

Der Vizeweltmeister von 1992, Riccardo Patrese, übte Kritik an Leclerc. „Leclerc ist jetzt seit sieben Jahren bei Ferrari, und ich frage mich, ob er Zweifel hat. Aber wenn das der Fall ist, muss man Entscheidungen treffen, und wenn man nicht in die richtige Richtung geht, kann das Auswirkungen auf das Team haben“, sagte der frühere Williams-Pilot in den italienischen Medien. Das Potential sei aber laut dem Italiener bei ihm aber vorhanden: „Aufgrund seiner Situation muss er unglücklich sein. Er hatte manchmal gute Leistungen, gemischt mit einigen Fehlern, weil das Auto nicht gut genug war, um den Sieg zu ermöglichen. Also ist er zu teilweise aggressiv gefahren, und vielleicht macht man einen Fehler, wenn man in so einer Stimmung fährt. Ich bin mir sicher, dass er unzufrieden ist“.
Vor dem Großen Preis von Österreich müssen sich die Roten auf die jüngste positive Entwicklung von Lewis Hamilton stützen. Der Brite kann auch in Spielberg wieder voll angreifen und die momentanen Stärken des Autos nützen. Bleibt Hamilton fehlerfrei, kann er Mercedes über die gesamte Saison hinweg fordern und genau das Gegenteil von Leclerc erbringen.
Das bestätigt auch die Konkurrenz. „Wenn Lewis sein Auto beherrscht und sein Umfeld passt, würde ich lieber nicht gegen ihn kämpfen, denn dann ist er da, wenn er da sein muss“, betonte sein früherer Teamchef, Toto Wolff gegenüber der Krone.
