Fiala mahnt zur Balance: „Ohne starke Liga kein starkes Nationalteam“
Nachdem sich Rapid-Sportchef Markus Katzer klar geäußert hat, meldet sich nun auch Rieds Geschäftsführer Sport, Wolfgang Fiala, zu Wort. Im Sky-Interview bezieht er unter anderem Stellung zu Katzers Aussage, dass Rapid künftig „keine Rücksicht mehr auf Nationalität“ nehme, sondern nur auf Qualität achte.
Katzer hatte seine Linie zuvor mit der internationalen Ausrichtung begründet: Gute österreichische Spieler würden ohnehin ins Ausland wechseln, also müsse Rapid vermehrt auf Legionäre mit Entwicklungspotenzial setzen.
Fiala plädiert hingegen für eine stärkere Einbindung heimischer Talente und warnt vor langfristigen Folgen für die Liga. „Wir brauchen einen starken österreichischen Fußball, damit die Bundesliga stark ist, das Nationalteam stark ist und in weiterer Folge auch der Breiten- und Amateurfußball stark bleibt“, sagt er.
Klare Kante von Katzer! Rapid nimmt „keine Rücksicht auf Nationalität“
„Das funktioniert nur, wenn das Kapital, das im österreichischen Fußball vorhanden ist, auch im heimischen Kreislauf bleibt. Wenn wir das Geld nur mehr in andere Länder und Ligen abfließen lassen, schwächt das langfristig unseren Fußball – vor allem die Liga.“
Er schlägt eine gemeinsame Herangehensweise von ÖFB und den Bundesligisten vor. „Wir müssen schauen, dass wir als System stark bleiben. Eine starke Liga hilft am Ende auch den Großklubs, weil der Abstand in den europäischen Bewerben sonst noch größer wird.“
Fiala: „Das schwächt nicht nur uns, sondern das ganze System“
Fiala sieht die österreichische Bundesliga als Ausbildungsliga – und versteht das nicht als Nachteil, sondern als Auftrag. „Zur Ausbildung gehört, dass junge Spieler auch spielen dürfen“, so der Ried-Sportchef. „Verkäufe wie von Belmin Beganovic zu Sturm Graz hilft Klubs wie Ried bei der sportlichen Weiterentwicklung. Wenn es diese Transfers innerhalb Österreich nicht mehr gibt, bekommen wir ein Problem.“
Die SV Ried setzt daher bewusst auf Talente. „Wir wollen unsere besten Spieler ausbilden und die besten österreichischen Talente zu uns holen, sie in die erste Mannschaft integrieren und – wenn möglich – gewinnbringend abgeben“, erklärt Fiala. Beim jüngsten Sieg gegen den WAC standen vier U21-Österreicher auf dem Platz, der in Wien geborenen Joris Boguo steht vor seiner Einbürgerung. „Natürlich könnten wir kurzfristig Spieler holen, die in ihrer Entwicklung weiter sind. Aber wir gehen diesen Weg ganz bewusst. Wir wollen eine Plattform für junge Österreicher sein und aktiv an der Zukunft des österreichischen Fußballs mitarbeiten.“
Blick nach Salzburg: Die Zeiten haben sich geändert
Auch der Weg, die österreichische Bundesliga als Zwischenschritt für ausländische Talente zu sehen, sieht Fiala anders: „Früher sind Spieler mit der Qualität von Erling Haaland nach Österreich gekommen, heute müssen sie das nicht mehr. Manchester City besitzt ungefähr zehn Klubs weltweit, die großen Vereine scouten inzwischen extrem früh. Diese Typen brauchen den Zwischenschritt über die österreichische Liga nicht mehr unbedingt. Und die zweite Garde ausländischer Talente zu fördern, sollte meiner Meinung nach nicht das Ziel sein.“
Gerade deshalb, so Fiala, müsse Österreich wieder stärker auf die eigene Basis setzen. „Scouting wird immer detaillierter und globaler. Wir müssen unsere eigenen Spieler entwickeln, sonst verlieren wir komplett den Anschluss. In der Ausbildung gibt es einiges zu verbessern, das sehe ich auch so. Es liegt aber an den Akteuren im österreichischen Fußball, daran etwas zu ändern.“
„Rapid ist trotz der schwierigen Phase individuell stark besetzt und klarer Favorit“
Am Sonntag (ab 14:00 Uhr live & exklusiv auf Sky Sport Austria – mit Sky Stream dabei sein!) trifft Ried auf Rapid – eine Begegnung mit zusätzlicher Brisanz. Die Wiener stehen nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Serie unter Druck.
„Vielleicht ändert das in unserem Umfeld etwas, aber nicht bei uns intern“, sagt Fiala. „Rapid ist trotz der schwierigen Phase individuell stark besetzt und klarer Favorit. Vor vier Wochen haben noch alle gesagt, Rapid wird österreichischer Meister – man sollte also die Kirche im Dorf lassen. Trotzdem wollen wir zeigen, dass es gegen uns schwer ist, zu spielen.“
Ried überzeugt auch dank Jugendarbeit: „Klares Zeichen für unseren Weg“
Beitragsbild: GEPA
