Der SK Rapid steht nach den Vorfällen nach dem 342. Wiener Derby zwischen Reue und Ungewissheit

Kolumne: Eine Woche zwischen Reue und Ungewissheit bei Rapid

Der SK Rapid steht nach den Vorfällen nach dem 342. Wiener Derby zwischen Reue und Ungewissheit. Eine Kolumne von Sky-Redakteur Eric Niederseer.

Viel wurde gesagt, die Meinungen klaffen auseinander: Von Entschuldigungen seitens des Vereins und der beteiligten Personen, über Beschwichtigungen und Verharmlosungen (von Andersdenkenden) in diversen sozialen Plattformen.

Derby-Eklat: Rapid gibt weitere Vorgehensweise bekannt

Meinungen über Meinungen differenziertester Art und Weise in einer Woche der Reue, aber vor allem der Ungewissheit in Hütteldorf: Einer Ungewissheit über die Tragweite der Geschehnisse nach dem 342. Wiener Derby, aber vor allem eine Ungewissheit über die kommenden Tage, endend mit der Strafverkündung des Senats 1 der ADMIRAL Bundesliga Anfang kommender Woche, sucht Hütteldorf rund um die sportliche Führung des SK Rapid derzeit heim.

Klare Kante & Aufarbeitungsarbeit – Viel Kommunikationsfluss bei Rapid

In Hütteldorf wurde in der abgelaufenen Woche klar kommuniziert und keinesfalls bagatellisiert. Die Thematik wird intern, wie Geschäftsführer Sport Markus Katzer von sich gibt, „extrem ernst genommen“. Es wird an Präventionsmaßnahmen gefeilt, welche das Risiko einer derartigen „Wiederholungstat“ in Zukunft bestmöglich mindern sollen.

Ein ausgearbeiteter Maßnahmenkatalog des SK Rapid zur Bekämpfung von Homophobie und Sexismus, der der Bundesliga bei der Anhörung am Montag präsentiert wird, soll nur der Anfang sein. Weitere Gespräche mit grün-weißen Partnern und Sponsoren sowie die Kontaktaufnahme mit Institutionen, welche den Kampf gegen Homophobie und Sexismus annehmen, werden folgen.

Anzeige nach Derby-Vorfällen: Diese Strafen drohen Rapid

„Richtig und wichtig“ und hoffentlich ein Zeichen, dass man sich der Ausmaße der getätigten Gesänge bewusst ist und des Rufs des österreichischen Fußballs, aber vor allem des eigenen Images, wieder geraderücken will.  Außerdem schiebt der Geschäftsführer Sport im Hinblick auf mögliche Protestaktionen der eigenen Anhängerschaft seitens der Bundesliga nach: „Als Fan muss jedem bewusst sein, wenn man am Sonntag in irgendeine Richtung etwas macht, dass es für den Verein zum aktuellen Zeitpunkt schädlich ist und nichts Positives beiträgt“.

„Weckruf anstelle von Moralappostelei“

Vorab muss vorausgeschickt werden, dass die folgenden Zeilen keinerlei als „Moralappostelei“ dienen sollen. Das Argument „Wie derartige Videos überhaupt den Weg in die Öffentlichkeit finden“, ist schlichtweg unpassend und sollte in diesem Zeitalter nicht mehr als Ausrede gelten.

Vielmehr sollte man den Finger in die Wunde legen und sich hinterfragen, ob diskriminierende, homophobe Schmährufe im 21. Jahrhundert überhaupt noch den Weg ins Stadion finden sollten. Auch wenn der leidenschaftliche Fußballfan weiß, dass Schmähgesänge gegenüber rivalisierenden Fangruppen quasi zur Tagesordnung gehören, in gewisser Art und Weise auch Rivalität widerspiegeln sollen, wurde mit der Wortwahl in den kursierenden Videos ein Bogen klar überspannt.

„Natürlich nicht zu akzeptieren“: Seidl spricht über Derby-Vorfälle

Spätestens zu Wochenbeginn dürfte dies den Verantwortlichen in Hütteldorf klar gewesen sein. Beim Blick auf die Protagonisten muss jedoch auf alle Fälle schadensmindernd, wenn dies überhaupt möglich ist, angeführt werden, dass es einen Unterschied zwischen grundsätzlichen Charaktereigenschaften und den hoffentlich unüberlegten Einzelhandlungen gibt.

Die Vorbildfunktion des Fußballs im Vordergrund

Bei aller Leidenschaft für die „schönste Nebensache der Welt“ und Rivalität, welche auf verschiedenste Art und Weise gelebt werden kann und wünschenswerterweise auch gelebt werden soll, muss die Vorbildwirkung des Fußball definitiv im Vordergrund stehen. Diese Funktion, die der Fußball innehat und an der sich vor allem jüngere Generationen nähren, trug leider nicht zum ersten Mal erheblichen Schaden.

Die Historie der homophoben und diskriminierenden Zwischenfälle in den europäischen Stadien wurde leider um ein zusätzliches Kapitel erweitert. Was nun definitiv bleibt: Wochen voller sportlicher Erfolge in Hütteldorf und eine lang zuvor nicht mehr dagewesene Aufbruchstimmung erhielt einen erheblichen Stimmungsdämpfer. Sie versank quasi im dunklen Schatten der vergangenen Tage. Ironischerweise ist der Verein selbst nun der Leidtragende selbst gelegter Störfeuer.

Auf Rapid warten harte Konsequenzen

Die Thematik, die die Medienlandschaft über die Landesgrenzen Österreichs hinaus, in den vergangenen Tagen prägte, ist beim Blick in die europäischen Stadien traurigerweise kein Einzelfall mehr. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass der Senat 1 der Bundesliga versuchen wird, beim SK Rapid ein Ausrufezeichen auf österreichischer Bühne, zu setzen.

Jetzt reinhören DAB | Der Audiobeweis #217 mit Matthias Seidl

Es bleibt abzuwarten, welche mindernden Umstände der Strafsenat der Bundesliga geltend machen kann und überhaupt will. Fakt ist jedoch: Im wahrscheinlichsten Falle stehen Sperren für die angeklagten Protagonisten und eine empfindliche Geldstrafe für den Verein vor der Tür. Geschweige dessen ein Imageschaden für den SK Rapid und etwaige Konsequenzen in der Zusammenarbeit mit Sponsoren.

Die wahrscheinlich härteste Prüfung: Zurück zum Tagesgeschäft

Eine Frage, die offenbleibt, ist derzeit, wie der SK Rapid und im speziellen der Kader die Geschehnisse der vergangenen Woche wegstecken wird können. Nach all den Entschuldigungen und Reuebekundungen gilt es für Klauß & Co. den Spagat zwischen dem Vergangenen und der Gegenwart zu bewältigen und den Fokus aufs „tägliche Brot“ Austria Lustenau zu richten.

Statistiken können kaschieren, Ergebnisse trügerisch sein: Auf den SK Rapid wartet, wie Robert Klauß von sich gibt, nicht nur aufgrund des „berauschenden Derbysiegs der aktuell schwerstmögliche Gegner“. Anders als sonst ist der Chefcoach gefragter denn je, die selbst entfachten Störfeuer aus den Köpfen zu verdrängen und den Fokus aufs Sportliche zu legen.

Das Duell zwischen dem SK Rapid und dem SC Austria Lustenau ist wohl ein „Fußballspiel zum richtigen Zeitpunkt“, um sämtliche negative Gedanken und weitreichende Konsequenzen zumindest für 90 Minuten ruhen zu lassen.

Rapid gegen Austria Lustenau am Sonntag ab 16 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport Austria 2 – streame das Spiel mit dem Sky X-Traumpass!

Rapid-Balanceakt vor Heimspiel gegen Austria Lustenau

WerbungWerbung

(Red./Eric Niederseer) / Bild: GEPA