„Nicht mehr die kleine Schweiz“: Viertelfinale als Genugtuung für Yakins „Nati“
Nach dem Achtelfinale der Fußball-EM zwischen der Schweiz und Italien am Samstagabend in Berlin, welche die Eidgenossen klar gegen eine chancenlose Squadra Azzurra für sich entschieden, dürfte es auf beiden Seiten Kopfschmerzen geben. Während die Probleme des Schweizer Teamchefs Murat Yakin wohl einige gerne hätten, könnte die sang- und klanglose Niederlage in Italien zu schmerzhaften Entscheidungen führen.
Die Schweiz befindet sich nach der glanzvollen Leistung gegen Italien wenig verwunderlich im Hoch. Zur Belohnung gab es für die Schweizer Nationalspieler eine Berliner Spezialität. Schnell bildete sich eine Schlange der Spieler vor dem Döner-Spieß beim Abendessen nach dem Achtelfinalsieg, wie auf einem Video der „Nati“ bei X zu sehen war.
„Verantwortung liegt bei mir“: Spalletti will weiter Italien-Teamchef bleiben
Allzu ausufernd sollte die Party nach dem souveränen 2:0 gegen die Squadra Azzura aber nicht werden. „Es sind Profis durch und durch“, sagte Trainer Murat Yakin über sein Team. „Die Spieler wissen, worum es geht. Feiern können sie ja nach der Europameisterschaft im Privaten.“
Der 49-jährige Coach stand in seiner Heimat vor dem Turnier enorm unter Druck und hat seine Kritiker nun weitgehend verstummen lassen. „Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, gibt mir Genugtuung. Dass wir auf dem richtigen Weg gewesen sind, dass wir doch vieles richtig gemacht haben.“
Vor und nach dem Spiel ließ sich der Trainer von den Fans feiern. Auch der Teamgeist scheint zu stimmen. Die Mannschaft bedankte sich mit einer Videobotschaft beim Trainerstab, der sich vor dem Viertelfinale revanchieren will. „Aber die Reise ist noch nicht vorbei“, betonte Yakin. Das Selbstvertrauen wächst bei den Eidgenossen. „Wir sind nicht mehr die kleine Schweiz“, sagte Mittelfeldspieler Steven Zuber.
Akanji hofft auf Duell mit England
Für die Runde der letzten acht am Samstag in Düsseldorf hat Abwehrspieler Manuel Akanji von Manchester City eine klare Präferenz. „Ich hoffe, dass England gewinnt, ich möchte sehr gerne gegen meine Teamkollegen spielen“, sagte der 28-Jährige und begründete seine Vorfreude: „Es gibt ein paar Spieler, die die Schweiz immer kleinreden. Darum wäre es ein unglaubliches Gefühl, gegen sie zu gewinnen.“
Yakin traf jedenfalls erneut die richtigen Personalentscheidungen. Nun aber kommt eine neue Situation auf ihn zu. „Dagegen gibt es ja Tabletten“, antwortete Yakin verschmitzt. Ob er denn schon Kopfschmerzen bekomme, wenn er an die nächste Startformation denke, hatte der Reporter gefragt. Nach der starken Leistung gegen Italien stellte sich die Frage: Hätten es diese Spieler nicht verdient, wieder in der offensichtlich gut funktionierenden Formation aufzulaufen? Er müsse vorausschicken, dass er diese „Luxus-Kopfschmerzen“ lieber habe als andere, sagte Yakin.
(APA).
Beitragsbild: Imago.
