„Verantwortung liegt bei mir“: Spalletti bleibt Italien-Teamchef
In Italien ist nach dem EM-Aus gegen die Schweiz Wundenlecken angesagt.
Teamchef Luciano Spalletti übernahm nach der enttäuschenden Niederlage einerseits die Verantwortung und kündigte Gespräche mit dem Verband an. „Ohne Zweifel: Die Verantwortung für das, was geschehen ist, liegt bei mir“, sagte der 65-Jährige nach dem 0:2 (0:1). Coach Spalletti darf aber weitermachen, wie mittlerweile klargestellt wurde.
Spalletti vermied direkt nach dem Spiel eine klare Aussage zu seiner Zukunft, deutete aber an, weitermachen zu wollen. Er habe nun die Gewissheit, „dass sich etwas ändern muss“, sagte der Coach. „Die Nationalmannschaft braucht in Zukunft andere Entscheidungen, Spieler mit mehr Fähigkeiten.“ Einen Teil der Kritik am Auftritt des Titelverteidigers wies er aber zurück. „Es ist kein so skandalöses Ergebnis“, sagte der Nationalcoach.
Spalletti begründete die schwachen Auftritte bei der EM unter anderem mit den Verletzungen wichtiger Spieler und mit der fehlenden Vorbereitungszeit. Er hatte das Team erst im September 2023 übernommen, nachdem Europameister-Trainer Roberto Mancini nach Saudi-Arabien gewechselt war. „Ich will keine Entschuldigungen finden“, sagte er. „Aber alle anderen Trainer hatten 20 Spiele vor dem Turnier oder 30. Ich hatte zehn und wir mussten gewinnen.“ Sein Team sei „im Moment nicht in der Lage, mehr als das zu zeigen“.
Donnarumma: „Trainer wird richtige Lösungen finden“
Italiens Fußball-Nationaltorhüter und Teamkapitän Gianluigi Donnarumma forderte rasche Konsequenzen. „Wir müssen schnell Lösungen finden, wir haben nicht viel Zeit“, sagte er. „Wir werden alles analysieren“, versprach der Keeper von Paris Saint-Germain und verwies auf die Spiele in der Nations League im September. Mit den Lösungen meinte er allerdings nicht Spalletti. „Ich bin mir sicher, dass der Trainer die richtigen Lösungen finden wird“, sagte Donnarumma. „Die Qualität ist da, daran müssen wir anknüpfen. Wenn wir alle zusammenarbeiten, werden wir zurück zu alter Stärke finden.“
Verbandspräsident spricht Spalletti das Verrtrauen aus
Italiens Verbandspräsident Gabriele Gravina schloss am Sonntag personelle Konsequenzen aus. Er selbst werde nicht zurücktreten, zudem sprach er auch Spalletti das Vertrauen aus. „Rücktritte zu fordern, ist inakzeptabel“, sagte der Fußball-Funktionär in Iserlohn. „Spalletti hat unser Vertrauen. Wir brauchen Geduld“, ergänzte der 70-Jährige mit Blick auf den Coach, der wie Gravina selbst nach dem 0:2 gegen die Schweiz in der Kritik steht.
Für Titelverteidiger Italien war es nach den verpassten Weltmeisterschaften 2018 und 2022 das schlechteste EM-Abschneiden seit 2004. „Wir müssen alles hinterfragen“, sagte Gravina. Betreffend Spalletti, der das Amt erst im September übernommen hatte, sagte er: „Wir wussten vom ersten Moment an, dass es sich um ein mehrjähriges Projekt handelt. Es ist nicht möglich, ein solches Projekt nach wenigen Monaten aufzugeben.“
„Nicht mehr die kleine Schweiz“: Viertelfinale als Genugtuung für Yakins „Nati“
Dennoch sei klar, dass sich etwas ändern müsse. „Wir werden tiefgründige Überlegungen anstellen, damit haben wir angefangen“, sagte Gravina. Langfristig gehe es auch darum, italienischen Spielern mehr Einsatzmöglichkeiten in der Serie A zu geben. „Wir werden in den kommenden Monaten keinen Spieler wie Mbappé oder Ronaldo haben, das ist unrealistisch“, sagte der Verbandsboss. Im Fokus stehe die WM-Teilnahme 2026. „Es wäre ein immenses Desaster, die Qualifikation für die WM zum dritten Mal nacheinander zu verpassen.“
Spalletti wehrte sich erneut gegen Kritik an seinen Entscheidungen. „Ich habe das Team in einem schwierigen Moment übernommen und ich habe versucht, mich dem anzupassen. Bis zu einem gewissen Punkt haben wir einen guten Job gemacht“, sagte der 65-Jährige. „Einige Sachen habe ich falsch gemacht. Ich habe versucht, die Mannschaft zu verjüngen. Das wird in Zukunft noch stärker passieren.“
(APA/Red.)
Beitragsbild: Imago.
