Norwegen-Kapitän Ödegaard: Schlüsselfigur oder Problem?

Ganz Norwegen hat das WM-Fieber gepackt. Ob Fans oder Politiker, sie alle „rudern“ mit. Wäre da nicht die leidige Debatte um Kapitän Martin Ödegaard.

Sie „rudern“ über den Times Square, auf Rolltreppen, in Stadien und sogar im Parlament. Norwegens Fans – unter ihnen auch Politiker – reißen dieser Tage allerorts ihre imaginären Riemen mit geballten Fäusten nach hinten, begleitet von einem donnernden „Ro“ (gesprochen: „Ruuh!“). Doch während der „Viking Row“ die Fußballwelt erobert, wird die WM-Euphorie in Norwegen von einer Debatte überlagert: um den zweitwichtigsten Spieler des Landes hinter Erling Haaland.

Seit Tagen diskutiert die norwegische Öffentlichkeit die Frage, ob Kapitän Martin Ödegaard dem Nationalteam wirklich hilft – oder ob er wie Cristiano Ronaldo in Portugal eher zum „Problem“ (Verdens Gang) werden könnte. Die Zeitung Dagbladet titelte sogar schon: „Alarm in den USA“.

137 Tage war Ödegaard in einer Saison voller Verletzungen beim FC Arsenal insgesamt ausgefallen. Nach dem Auftaktsieg gegen Irak (4:1) erhielt der Anführer sogar die schlechteste Note aller Norweger. Und obwohl die Klasse des einstigen „Wunderkindes“, das mit 16 zu Real Madrid gewechselt war und in diesem Jahr die englische Meisterschaft gewann, auch im hohen Norden unbestritten ist, werden die Fragezeichen mit Blick auf Ödegaards Fitness immer größer.

Große Diskussion in der Heimat

Die größte Boulevardzeitung des Landes diskutierte am Freitag auf vier (!) Seiten über Ödegaard. Ob das Turnier nicht eher etwas für Spieler sei, „die bereits in Bestform sind“, fragte VG vor dem zweiten Gruppenspiel der Skandinavier gegen Senegal (Dienstag, 2.00 Uhr MESZ). Und nicht für jene, die sich bei der WM erst in Topform spielen müssen. Wie Ödegaard.

Die Debatte, schimpfte Mitspieler David Möller Wolfe, sei „völliger Quatsch“. Dass die Medien Ödegaard „nach einer mittelmäßigen Leistung“ gleich aufgegeben hätten, sei „Unsinn“, sagte auch Kristian Thorstvedt. Ödegaard habe trotz allem den „X-Faktor“, um Spiele zu entscheiden.

Ödegaard bleibt im Team

Nationaltrainer Stale Solbakken will von einer Verbannung Ödegaards auf die Bank ohnehin nichts wissen, obwohl er mit keiner anderen Frage derart häufig konfrontiert war. „Er spielt. Das kann ich garantieren“, sagte Solbakken nach dem Irak-Spiel. Einen Tag später betonte er erneut, dass er Ödegaard nicht rausnehmen werde. Zugleich gab er zu, dass man dem Kapitän anmerke, dass er lange nicht in der Nationalmannschaft gespielt hat: „Wir sehen im Training, dass er auf dem richtigen Weg ist, daher bin ich nicht so besorgt.“

Und Ödegaard? „Mir geht es gut. Ich verstehe nicht, worüber Sie sich Sorgen machen“, hatte er gesagt. Allerdings vor dem Auftaktspiel, durch das die Debatte erst richtig Fahrt aufnahm.

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