Pöltl vor NBA-Playoffs zuversichtlich: „Wir attackieren dieses Jahr“
Jakob Pöltl startet mit seinen Toronto Raptors am Samstagnachmittag (Ortszeit, 19:00 Uhr MESZ) in die Playoffs der NBA. Der Gegner in der ersten Runde sind die Cleveland Cavaliers. In einer Medienrunde am Mittwochabend äußerte sich der Wiener zu den bevorstehenden Spielen.
Für den 30-Jährigen ist die Marschrichtung vor dem Playoff-Auftakt klar und alles andere als zurückhaltend.
„Ja, natürlich war das das Ziel, wie ich zurück nach Toronto gekommen bin, zurück in die Playoffs zu kommen und um eine Championship mitzuspielen. Es hat ein paar Umwege gegeben, aber wir haben es hierher geschafft“, erklärt Pöltl. „Wir sehen das nicht so als Schritt für Schritt. Wir bereiten uns nicht nur auf die kommenden Jahre vor, sondern wir attackieren dieses Jahr. Wir wollen den Titel gewinnen.“
Pöltl verweist dabei auch auf die Schnelllebigkeit der Liga. „Man weiß nie, was nächstes Jahr ist. In der NBA kann sich alles sehr schnell ändern. Wenn man sich die Indiana Pacers anschaut, die wurden letztes Jahr komplett unterschätzt und waren dann plötzlich ein Spiel vom Titel entfernt. Deshalb wollen wir die Chance jetzt nutzen und die Playoffs nicht einfach nur als Erfahrung sehen.“
Pöltl vor Duell mit Cleveland: „Wird interessant“
In der ersten Runde wartet mit den Cleveland Cavaliers ein hochkarätiger Gegner. Die Cavaliers beendeten die Regular Season in der Eastern Conference auf Rang vier, Toronto wurde einen Platz dahinter Fünfter. Die drei Saisonduelle gingen zwar an die Raptors, fanden jedoch allesamt im Herbst statt.
Seitdem hat sich Cleveland deutlich verändert. Vor allem Superstar James Harden ist mittlerweile ein zentraler Faktor im Spiel der Cavaliers. Gemeinsam mit Donovan Mitchell bringt das Team enorme offensive Qualität mit.
„Es wird auf jeden Fall interessant, weil wir gegen Cleveland in dieser Konstellation noch nicht gespielt haben“, sagt Pöltl. „James Harden ist ein sehr guter, sehr erfahrener Spieler, der auch seine Teamkollegen hervorragend ins Spiel bringen kann. Er ist ein starker Driver und gefährlicher Werfer. Es wird wichtig sein, dass wir in unseren Rotationen gut helfen und das richtige Maß an Help-Side-Defense finden. Er hilft ihrer Offense schon sehr.“
Pöltl über Harden: „Hilft ihrer Offense schon sehr“
Raptors wollen „Identität treu bleiben“
„Wir werden auf jeden Fall versuchen, unserer Identität treu zu bleiben“, betont Pöltl. „Es wird oft gesagt, dass das Spiel in den Playoffs langsamer wird, aber ich glaube, dass wir unsere Stärken in der Transition und mit unserem defensiven Druck trotzdem gut ausspielen können. Das sind Dinge, die wir das ganze Jahr trainiert haben und die wir jetzt im richtigen Moment abrufen wollen.“
Raptors als „young & quick“ betitelt:“ Wollen unserer Identität treu bleiben“
Ob die Raptors dadurch schwer auszurechnen sind, sieht Pöltl nicht als entscheidend an. „Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie wirklich nachgedacht. Beide Teams werden sehr gut gescoutet sein und die Tendenzen des Gegners kennen. Am Ende wird es darauf ankommen, wie wir uns als Team anpassen können und trotzdem effektiv bleiben.“
Pöltl setzt auf mentale Stärke
Mit einem Altersschnitt von 24,8 Jahren stellt Toronto das jüngste Team der Playoffs. Erfahrung sei zwar ein Faktor, aber den jungen Altersschnitt sieht Pöltl nicht als Hindernis.
„Es ist die Realität, aber das heißt nicht, dass wir mit einem Rückstand in die Serie gehen“, erklärt der Wiener. „Wir gehen mit der Erwartung rein, das erste Spiel zu gewinnen und auch die Serie zu gewinnen. Wenn man zu weit vorausdenkt, ist man mit dem Kopf nicht am richtigen Ort.“
Gerade mental sieht sich das Team gut vorbereitet. „Wir haben in der Regular Season immer wieder bewiesen, dass wir zurückkommen können. Spiele, die schon verloren gewirkt haben, haben wir noch gedreht oder uns zumindest zurückgekämpft. Ich glaube, wir haben viel mentale Stärke gezeigt und das kann uns in den Playoffs helfen.“
Auch seine eigene Saison ordnet Pöltl realistisch ein: „Es kann positive Seiten haben, weil ich weniger Spiele hatte, aber gleichzeitig wurde der Rhythmus unterbrochen und man verliert etwas an Ausdauer. Am Ende wird das aber kein entscheidender Faktor sein. Es wird viel darauf ankommen, wer mental das letzte Prozent herausholen kann.“ Der Wiener verpasste in der laufenden Spielzeit 39 Matches verletzungsbedingt.
39 Spiele verpasst – Pöltl: „Kann positive Seiten haben“
Konstanz statt großer Veränderungen
Trotz der besonderen Bedeutung der Spiele wollen die Raptors ihren Zugang nicht verändern. „Ich glaube, wir werden die Playoffs ähnlich angehen wie die Regular Season, mit der gleichen Mentalität und Intensität. Wir wollen da nicht zu viel verändern“, sagt Pöltl.
Auch bei möglichen Duellen mit Dennis Schröder könnte es interessant werden. Der deutsche NBA-Spieler steht ebenfalls auf der großen Bühne und damit treffen zwei deutschsprachige Profis aufeinander.
Mit Dennis Schröder steht aufseiten der Cavaliers ein weiterer deutschsprachiger Spieler am Court. Ob der Trashtalk am Feld eher auf englisch oder deutsch stattfinden wird, kann der 30-Jährige nicht sagen. „Ich denke, es wird gut gemischt sein“, sagt Pöltl mit einem Schmunzeln. „Aber ich werde eher mehr antworten und weniger herausfordern.“
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