Alex Zverev: „Bin bereit für den heiligen Rasen“
Nach seinem ersten Grand-Slam-Sieg bei den French Open im Juni will Alexander Zverev endlich auch beim Rasenklassiker Wimbledon überzeugen. Der Deutsche geht die Aufgabe im Südwesten Londons mit einer neuen Form der Gelassenheit an.
Alexander Zverev zögerte keine Sekunde. Welche Temperaturen der Weltranglisten-Dritte lieber mag? „Zu heiß. Ich hasse Kälte, obwohl ich Deutscher bin“, antwortete der French-Open-Sieger auf die Frage und schlenderte lachend in Richtung Trainingsplatz. Vor dem Auftakt auf dem (noch) ungeliebten „heiligen Rasen“ von Wimbledon ist die Laune des Weltranglistendritten bestens, in seiner neuen Rolle als Grand-Slam-Gewinner fühlt sich Zverev pudelwohl. Dass dazu auch London in diesen Tagen von einer Hitzewelle überrollt wird, passt in das Gesamtbild.
Nach seinem erlösenden Triumph in Paris strahlt der Tokio-Olympiasieger eine neue Form der Gelassenheit aus. Und so scheint auch ein Siegeszug an der Church Road, wo es Zverev bislang nicht über das Achtelfinale hinaus geschafft hat, möglich. „Ich bin ja der Erste, der auch mal was kritisiert, wenn ich das eben anders sehe“, sagte der dreimalige Wimbledon-Champion Boris Becker in seinem Podcast mit Andrea Petkovic und fügte mit Nachdruck an: „Ich habe ihn noch nie so stark auf Rasen gesehen wie jetzt in Halle.“
Gelassenheit nach dem lang ersehnten Grand-Slam-Triumph
Nach seinem erlösenden Triumph in Paris strahlt der Tokio-Olympiasieger eine neue Form der Gelassenheit aus. Und so scheint auch ein Siegeszug an der Church Road, wo es Zverev bislang nicht über das Achtelfinale hinaus geschafft hat, möglich. Beim Heimspiel in Halle hatte sich Zverev, getragen von der Euphorie seines Sieges in Frankreich, mit starken Leistungen bis in das Halbfinale gespielt. Gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz bremsten ihn dann eine Fehlfunktion seines Insulinsensors und Rückenprobleme aus. „Ich finde, dass ich mich auf Rasen recht gut gefunden habe“, lautete das zufriedene Fazit des 29-Jährigen.
Auch wenn Zverev, der im Vorjahr nach seinem krachenden Aus in der ersten Runde mental am Boden gelegen hatte, nicht als Topfavorit im Stadtteil „SW19“ antritt, ist der Druck groß. Schließlich will er auch die Kritiker Lügen strafen, die behaupten, sein Triumph in Paris sei aufgrund des verrückten Turnierverlaufs mit dem frühen Ausscheiden von Jannik Sinner weniger wert. Auf den italienischen Weltranglistenersten, hinter dessen körperlichen Form nach seinem frühzeitigen K.o. bei den French Open weiterhin Fragezeichen stehen, könnte Zverev in London im großen Showdown um den Titel treffen.
Doch das Finale am 12. Juli ist noch in weiter Ferne, für Zverev hat es der Weg zu seinem möglichen zweiten Grand-Slam-Sieg in Folge von Beginn an in sich. Zum Auftakt wartet mit dem belgischen Weltranglisten-37. Alexander Blockx gleich eine knifflige Aufgabe. Im weiteren Turnierverlauf könnte es im Viertelfinale dann wieder gegen Angstgegner Fritz, gegen den er die letzten sieben Spiele allesamt verloren hat, gehen.
Auch deshalb wolle er sich „nicht zu weit aus dem Fenster lehnen“, sagte Becker über die deutsche Nummer eins: „Aber von seiner Spielstruktur, seinem Aufschlag, seinem neuen Selbstbewusstsein gibt es für mich keinen Grund, warum Sascha Zverev nicht Wimbledon gewinnen soll.“ Wenn dann sogar noch das Wetter mitspielt, scheint auch auf Rasen alles möglich.
