DFB-Elf und „Oranje“ starten ihre WM-Missionen
Für Deutschlands Fußball-Nationalteam geht es beim WM-Start gegen Neuling Curacao am Sonntag (19.00 Uhr) vermeintlich nur um die Höhe des Sieges. Die Niederlande hingegen bekommen es mit Asiens Aushängeschild Japan (22.00 Uhr) gleich zu Beginn mit einer kniffligen Aufgabe zu tun. In der Deutschland-Gruppe E stehen sich zudem die Elfenbeinküste und Ecuador gegenüber. In der „Oranje“-Gruppe F trifft Schweden auf Tunesien (alle MESZ).
Nach zwei WM-Auftaktniederlagen 2018 und 2022 scheinen drei Punkte für Deutschland bereits vor dem Anpfiff am Sonntag in Houston fix. Dennoch stellen sich Fragen: Wie gut hat die deutsche Offensive ihr Visier bereits eingestellt? Wie stabil präsentiert sich die Mannschaft von Julian Nagelsmann im Allgemeinen? Und gelingt Manuel Neuer bei seiner Rückkehr ins DFB-Team der Kaltstart nach Wadenverletzung? Die Tormann-Ikone stellt mit dem 20. WM-Spiel die Bestmarke unter Torhütern des Franzosen Hugo Lloris ein.
„Ich freue mich, dass das Turnier jetzt losgeht und wir allen zeigen können, wie gut wir sind“, sagte Nico Schlotterbeck. Der Verteidiger von Borussia Dortmund beschwor Merkmale, die Deutschland einst zur gefürchteten Turniermannschaft machten: „Was wir lange nicht hatten: Wir haben deutsche Tugenden auf dem Platz. Wir haben Disziplin. Wir haben Leidenschaft. Wir haben Widerstandsfähigkeit.“ Deutschland hat die jüngsten neun Spiele allesamt gewonnen. Angesichts des Vorrunden-Scheiterns 2022 und 2018 beließ es Sportdirektor Rudi Völler vorerst beim ersten Etappenziel: „Wir wollen die Gruppenphase überstehen und am liebsten Gruppenerster werden.“
Für Curacao ist es nicht weniger als das größte Fußballspiel in der Geschichte des Zwergstaates (444 km2). Die Karibik-Kicker wollen unter der Anleitung von Trainer-Veteran Dick Advocaat (78) überraschen. Curacao gehört als seit 2010 autonomes Land zum Königreich der Niederlande. Der niederländische Einfluss zeigt sich etwa auf Straßenschildern, in der Verwaltung – und im Fußball: Viele Spieler der „Blue Wave“ (Blaue Welle) sind Niederländer mit karibischen Wurzeln. Die Tests gegen China (0:2), Australien (1:5) und Schottland (1:4) gingen klar verloren. Mit der Generalprobe – einem 4:0 über Inselnachbar Aruba – holte sich der krasse Außenseiter noch einmal ein gutes Gefühl. „Eine Überraschung ist immer möglich. Und eine Überraschung kann schon reichen, um weiterzukommen“, sagte Advocaat vor dem Turnierstart.
Elfenbeinküste – Ecuador: Duell der Jungspunde
In Philadelphia stehen sich am Montag (01.00 Uhr) mit Elfenbeinküste (Durchschnittsalter: 25,9) und Ecuador (26,1) die beiden jüngsten Turniermannschaften gegenüber. Die Ivorer haben ihre Stärken vor allem offensiv. Leipzig-Stürmer Yan Diomande (19), Hoffenheims Bazoumana Touré (20) und Ange-Yoan Bonny (22) von Inter Mailand gehört die Zukunft. Die Südamerikaner indes bauen auf eine Verteidigung mit gleich zwei Stars, die im Champions-League-Finale auf dem Feld standen: Willian Pacho von Paris Saint-Germain und Piero Hincapie von Arsenal. Eines hat Ecuador dem Gegner voraus: 2006 schaffte es „La Tri“ (Die Dreifarbige) zum bisher einzigen Mal in die K.o.-Runde, wo im Achtelfinale gegen England (0:1) Schluss war.
Niederlande – Japan: Härtetest für Oranje
Verhalten ist die WM-Euphorie noch in den Niederlanden. Ein 1:2 gegen Algerien und ein mühsamer 2:1-Erfolg über Usbekistan sorgten bei „Oranje“ vor dem WM-Start gegen Japan für mehr Fragezeichen als Antworten. „Wir müssen noch ein paar Schritte gehen“, gestand Abwehrchef Virgil van Dijk. Obwohl die Dichte an Klassespielern schon einmal höher war und Torjäger Memphis Depay nicht in Topform scheint, blickt Teamchef Ronald Koeman mit Zuversicht auf das Turnier. „Wir haben eine Mannschaft, die schwer zu schlagen ist.“ Das Selbstvertrauen beim dreifachen WM-Finalisten (1974, 1978 und 2010 jeweils ohne Titel) scheint intakt. „Es gibt für uns nur ein Ziel, und das ist, Weltmeister zu werden“, tönte Stürmer Wout Weghorst.
In Dallas (Sonntag, 22.00 Uhr) stellen sich schlagkräftige „Blue Samurai“ entgegen. Japan ist unter Langzeitteamchef Hajime Moriyasu schwer zu bezwingen und hat auch Weltklasseteams in jüngerer Vergangenheit das Fürchten gelehrt. In Katar 2022 schlugen die Asiaten Deutschland und Spanien, mit Siegen über Brasilien (Oktober) und England (März) hat man sich weiteren Respekt verschafft. Allerdings muss Japan auf den Kapitän verzichten. Liverpool-Star Wataru Endo (33) wurde nicht rechtzeitig fit und beendete seine Nationalteamkarriere. Mit Kaoru Mitoma (Brighton) und Takumi Minamino (Monaco) fehlen weitere Hochkaräter.
Schweden – Tunesien: Verlieren verboten
Da mit den Niederlanden und Japan zwei weitere starke Teams in Gruppe F stehen, heißt es für Schweden und Tunesien bereits im ersten Spiel in Monterrey (Montag, 4.00 Uhr) Verlieren verboten. Die Schweden kehren nach acht Jahren und einem turbulenten Play-off-Finale gegen Polen (3:2) auf die WM-Bühne zurück. Seit Oktober werden die Blau-Gelben vom Briten Graham Potter trainiert, der auch auf viele Profis aus der englischen Premier League setzt. Für Jubel soll Arsenal-Torjäger Viktor Gyökeres sorgen, der für das Nationalteam in 33 Einsätzen bereits 20-mal genetzt hat.
Tunesien gehört zu den konstantesten WM-Teilnehmern Afrikas und ist zum siebenten Mal dabei. Die Qualifikation meisterten die „Adler von Karthago“ ohne Gegentreffer, bei der WM gelang aber noch nie der Einzug in die K.o.-Phase. Der Modus macht es möglich, dass dieses Faktum für das Team von Sabri Lamouchi bald der Vergangenheit angehören könnte. Rani Khedira, der Bruder von Ex-DFB-Spieler Sami Khedira, soll nach seinem Verbandswechsel im März Erfahrung aus der deutschen Bundesliga einbringen. Genieblitze erhofft sich Tunesien von Burnley-Akteur Hannibal Mejbri.
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