„Kaiser“ Affengruber vor der WM: „Wenn ich gebraucht werde, bin ich da“
ÖFB-Legionär David Affengruber gehört zweifelsfrei zu den großen Gewinnern der Saison 2025/26.
Bei Elche zählte der 25-Jährige zu den Erfolgsgaranten und verhalf dem Klub zum Klassenerhalt in der spanischen LaLiga. Im März folgte das Debüt für das ÖFB-Team, in Kürze reist der Defensivspieler mit dem Nationalteam zur WM nach Nordamerika. Im Sky-Interview spricht „Kaiser“ Affengruber über seine Leistungen in der abgelaufenen Saison, seine Entwicklung in Spanien sowie die bevorstehende WM.
Leistungsdaten zeigen: Bärenstarke LaLiga-Premierensaison von Affengruber
Statistisch hat Affengruber jedenfalls eine Top-Spielzeit in Spanien bestritten. Der Niederösterreicher zählte ligaweit zu den besten Zweikämpfern.
So stehen 5,7 Defensivzweikämpfe pro 90 Minuten (Top-7 unter LaLiga-Innenverteidigern) bei einer starken Erfolgsquote von 70,3 Prozent zu Buche. Dazu kommen 4,7 abgefangene Bälle pro 90 Minuten – nur drei Innenverteidiger waren in dieser Kategorie besser. Auffällig ist auch sein Spiel nach Ballgewinn: Mit 5,5 progressiven Pässen bzw. Läufen direkt nach einer Defensivaktion gehört er zu den Top-4 auf seiner Position.
Insgesamt hat Affengruber in seiner ersten Saison in der höchsten Spielklasse Spaniens auf individueller Ebene einen großen Schritt nach vorne gemacht. Dem ÖFB-Teamspieler gelangen 11,9 Balleroberungen pro 90 Minuten (Top-4) sowie 79 Ballaktionen pro 90 Minuten, was ebenfalls einen Top-10-Wert bedeutet.
„Kaiser“ Affengruber: „Wertschätzung von den Fans ist eine Ehre“
Sky: Sie haben eine starke Saison gespielt, 36 Spiele in der spanischen Liga bestritten, drei weitere in der Copa del Rey und den Klassenerhalt am letzten Spieltag geschafft. Wie blicken Sie allgemein auf dieses Jahr bei Elche zurück?
„Ich blicke auf eine intensive Saison zurück. Ich glaube, dass wir sehr gut gestartet sind. Am Anfang haben wir relativ viele Punkte geholt, damit hat keiner gerechnet. Die Zeit nach Weihnachten war sehr schwierig, da hatten wir einen Durchhänger. Zum Glück haben wir uns befreien können, denn der Schlussspurt war sehr stark. In den letzten zehn Spielen hatten wir einen Punkteschnitt, den sonst nur die Mannschaften hatten, die sich in Spanien für den internationalen Wettbewerb qualifiziert haben (Anm.: Elche holte in den letzten zehn Spielen einen Punkteschnitt von 1,7) und wir haben in diesem Bereich performt. Es war wichtig für uns, dass wir die Klasse gehalten haben. Ich glaube, in dieser Liga haben dieses Jahr alle Mannschaften gut abgeliefert zum Ende hin. Jeder im unteren Tabellendrittel hat gefühlt jede Woche Punkte geholt. Deswegen war es spannend bis zum Schluss.“
Sky: Sie genießen ein hohes Standing in Elche, Ihr Spitzname lautet „Kaiser“. Wie kam es dazu?
„Wie es dazu gekommen ist, muss man die Fans fragen, das kann ich so nicht beantworten. Grundsätzlich ist es eine Ehre, wenn man von den Fans die Wertschätzung bekommt, die man Woche für Woche versucht, zurückzuzahlen. Vielleicht liegt es daran, dass ich der einzige deutschsprachige Spieler bin. Es ist etwas Schönes, wenn du von den Fans so einen Spitznamen oder so eine Wertschätzung bekommst. Das ist schon viel wert.“
Sky: Sie haben nach drei Jahren bei Sturm Graz in der österreichischen Bundesliga den Schritt nach Spanien gewagt. Ein Jahr in der zweiten spanischen Liga, nun ein Jahr LaLiga (…). Sie haben eine eindrucksvolle spielerische Entwicklung hingelegt. Wie viel haben Sie in dieser Spielzeit dazugelernt und wie haben Sie sich so schnell an das höhere Niveau angepasst?
„Ich glaube, das erste Jahr in der zweiten spanischen Liga war sehr wichtig. Wir hatten in Elche zwei Jahre lang den gleichen Trainer und die gleiche Spielweise. Es war wichtig, dass ich mich an den spanischen Fußball gewöhnen konnte. So habe ich schon, bevor es gegen die großen Teams geht, Erfahrungen unter unserem Trainer und mit der Mannschaft gemacht, weil der Großteil der Spieler ist geblieben. Wir haben uns gut eingespielt mit der Spielweise, mit der unser Trainer spielen will. Zu Beginn war der Spielstil neu für mich, aber das hat den Wechsel irgendwie cool gemacht, weil ich etwas ganz Neues gelernt habe. Dieser Mix aus dem neuen und dem, was ich davor schon kannte – dieses ‚Alles geben am Platz, Zweikämpfe gewinnen‘ – ist eine coole Sache. Das hat richtig gut funktioniert.“
„Ich mag es, wenn man oft den Ball am Fuß hat“
Sky: Es wirkt so, als würde Ihnen die spielerisch starke spanische Liga sehr entgegenkommen. Das Spiel wird sauber von hinten aufgebaut. Wie sehen Sie das?
„Grundsätzlich mag ich es sehr, wenn man oft den Ball am Fuß hat, weil man dann das Spiel positiv beeinflussen kann. Natürlich können da immer wieder Fehler passieren, das kommt mit dem Risiko, wenn du hinten rausspielen willst, aber dieses Risiko gehen wir als Mannschaft ein und ich glaube auch, dass uns das zum Schluss geholfen hat. Wir haben nicht den Kopf verloren und gesagt: „Jetzt spielen wir Abstiegskampf und jetzt müssen wir anders Fußball spielen.“ Unser Trainer hat auf unsere Spielidee immer weiter aufgebaut und wir haben das von Woche zu Woche immer besser gemacht. Das hat uns gegen die großen Teams geholfen, weil die großen Mannschaften das vielleicht nicht gewohnt sind, dass ein „kleinerer Verein“ so mutig auftritt und einfach zeigen will, was er fußballerisch draufhat.“
„Ich mag es, wenn man oft den Ball am Fuß hat, weil man so das Spiel positiv beeinflussen kann.“

Sky: Gegen Top-Teams waren Sie in der abgelaufenen Saison zweimal durchaus im Rampenlicht. So haben Sie Ende Jänner Ihr Team gegen den FC Barcelona (1:3) als Kapitän aufs Feld geführt. Wie war das so?
„Es ist schon etwas Besonderes. Ich habe mit dem Verein bereits den Aufstieg gefeiert und mir bedeutet der Klub viel. Wenn man dann als Kapitän auflaufen darf, ist das schon besonders. Klar, gegen Barcelona, ein Abendspiel im eigenen Stadion, das war richtig cool. Wir haben leider verloren, das ist ein bisschen das Traurige an dieser Geschichte. Man verliert Spiele, man gewinnt Spiele und natürlich werde ich dieses Spiel nie vergessen, weil in LaLiga als Kapitän aufzulaufen, als Legionär in Spanien, das ist schon besonders.“
„Ich werde das Spiel gegen den FC Barcelona nie vergessen.“
Sky: Ein zweites Highlight war das Ligaspiel am 22. April gegen Atletico Madrid (3:2). Sie haben ein Tor erzielt, eine Vorlage beigesteuert und einen Elfmeter herausgeholt. War das das beste Match Ihrer Karriere?
„Ich würde sagen, es gehört bis jetzt auf jeden Fall zu den Top drei. Aber da geht es gar nicht um meine eigene Leistung. Ich bin einfach froh, denn dieses Spiel hat so ein bisschen den Endspurt eingeläutet und es war sehr wichtig für uns, dass wir da drei Punkte geholt haben. Wie man gesehen hat, zum Saisonende hin ist es spannend geworden und diese drei Punkte gegen Atletico Madrid, mit denen wahrscheinlich keiner gerechnet hat, waren am Schluss extrem wichtig. Es war ein Heimspiel gegen einen richtig starken Gegner und wir haben eine reife Leistung gebracht.“
WM-Teilnahme „ein Traum“
Sky: Nach dem Atletico-Match fordert Ihr Trainer Eder Sarabia öffentlich Ihre WM-Teilnahme – einen Monat später gibt es Gewissheit und es geht mit dem ÖFB-Team nach Nordamerika. Wie fühlt sich das an und was bedeutet die WM-Teilnahme für Sie?
„Es fühlt sich sehr gut an. Das ist einfach überragend. Beim letzten Lehrgang im März war ich das erste Mal beim Nationalteam, das war schon etwas Besonderes für mich. Dann auch die ersten Einsatzminuten zu bekommen, mein Debüt zu feiern (…). Das war ein Traum, der in Erfüllung geht. Ich glaube, für das eigene Land zu spielen ist das Höchste, das es gibt. Die Einberufung in den WM-Kader ist der nächste Traum, der in Erfüllung geht. Ich freue mich extrem. Die ÖFB-Mannschaft ist eine richtig coole Truppe, die ich jetzt schon kennengelernt habe und deswegen freue ich mich da drauf.“
„Mein Debüt fürs ÖFB-Team zu feiern war ein Traum. Die Einberufung in den WM-Kader ist der nächste Traum, der in Erfüllung geht. Ich freue mich extrem.“

Sky: Nun ist die Defensive im ÖFB-Team recht eingespielt und routiniert. Mit David Alaba, Kevin Danso und Philipp Lienhart sind einige Spieler schon lange dabei, sie waren einmal dabei. Mit welchen Ambitionen fahren Sie zur WM?
„Ich glaube, jeder Spieler will immer spielen. Grundsätzlich geht es aber darum, dass ich mich auf dieses Erlebnis extrem freue. Das ist, wie ich bereits gesagt habe, eine richtig gute Truppe, in der ich mich sehr wohl fühle. Jetzt gilt es, in jedem Training alles zu geben und da zu sein, wenn man gebraucht wird. Fußball ist ein Mannschaftssport und wir vertreten unser Land. Unser Zusammenhalt kann da umso bedeutender sein.“
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Zukunft nach der WM noch unklar
Sky: Ihr Schritt zu Elche war retrospektiv sehr gut überlegt. Ihr Vertrag läuft bis 2027. Wäre es nach dem Klassenerhalt der richtige Moment für den nächsten, gut überlegten Schritt?
„Die Saison ist seit ein paar Tagen zu Ende. Da mache ich mir jetzt keinen Kopf. Ich freue mich aufs Nationalteam, auf die Vorbereitungswochen in Österreich und dann auf die WM. Man wird sehen, was die Zukunft bringt. Jetzt steht die WM vor der Tür und mein voller Fokus liegt auf dem Turnier. Wir können etwas Großartiges erreichen und ich will der Mannschaft dabei helfen.“
Sky: Das heißt, es gibt definitiv keine Zukunftsentscheidung vor der WM?
„Nein, wie gesagt, der Fokus liegt zu 100 % auf der WM. Ich freue mich, für Österreich zu spielen und zu trainieren. Ich möchte einfach schauen, dass ich das Beste gebe und wer weiß, wie weit wir bei der WM kommen. Wir können sicher für eine Überraschung sorgen.“
Sky trifft David Affengruber in Elche (20. April 2025)
(Red.)
Bild: Imago
