Kane gegen Haaland: Showdown der Torjäger im Viertelfinale
Das WM-Viertelfinale zwischen England und Norwegen am Samstag ist auch das Duell der treffsichersten Stürmer des Jahrzehnts. Was unterscheidet Harry Kane und Erling Haaland – und was eint sie?
TORE: Wenn es um die zentrale Währung im Fußball, das Toreschießen, geht, stehen sich in Harry Kane und Erling Haaland absolute Ikonen gegenüber. Beide sind Sinnbilder einer Zeit, in der es für einen Weltklassestürmer nicht mehr ausreicht, alle zwei Spiele zu treffen. Gemessen an Toren pro Spiel deklassiert Haaland die Konkurrenz sowohl auf Klub- (94 Minuten pro Tor) als auch auf Länderspielebene (alle 71 Minuten). Übermenschliche Statistiken – selbst verglichen mit anderen Elite-Stürmern wie Kane (alle 109 Minuten). Der Engländer, der seit seinem Debüt 2015 für die Three Lions zum Chefgoalgetter aufstieg, ist mit weitem Abstand Rekordtorschütze im Mutterland des Fußballs und in dieser Saison im Trikot von Bayern München Europas bester Schütze auf Klubebene (61 Treffer).
SPIELSTIL: Haaland ist eine Tormaschine nahe der Perfektion. Aus dem „Brecher mit dem Babyface“, wie die norwegische Naturgewalt Zeit seiner Bundesligakarriere genannt wurde, ist ein auf Effizienz kalibrierter Tor-Cyborg geworden. Nimmt Haaland Tempo auf, prallen gestandene Weltklasse-Verteidiger reihenweise am 1,95-Hünen ab. Speziell im Nationaltrikot ist die Devise klar: Der Ball muss zu Haaland, der erledigt den Rest. Etwas anders ist es um Kane bestellt: Der Bayern-Star, der wie kaum ein zweiter Neuner im Weltfußball mit Regisseur-Qualitäten aufwartet, fällt mitunter tief ins Mittelfeld. Von dort aus kurbelt der 32-Jährige die eigene Offensive an und spielt Pässe in Spielmacher-Manier.
ERNÄHRUNG: Haalands Erfolgsgeheimnis liegt laut eigener Aussage auf dem Teller – und der ist beim Norweger selten halb voll. Bis zu 6000 Kalorien konsumiert er täglich. Dabei liest sich sein Speiseplan alles andere als asketisch: Rinderherz, Lasagne und Dönerpizza. Doch wer glaubt, der Ex-Dortmunder stopfe wahllos Fastfood in sich hinein, irrt. Auf seinem Youtube-Kanal zeigt sich Haaland, der auch mal selbst am Herd steht, versessen auf die Qualität der Zutaten und kauft bei lokalen Anbietern vor Ort. Kane indes arbeitet mit einem Privatkoch zusammen, sündigt bisweilen aber trotzdem: „Wenn ich viele Kalorien verbrannt und eine gute Leistung gezeigt habe, gehe ich aus und gönne mir etwas Leckeres. Etwa Sushi, Pizza oder was mir Lust macht.“
CHARAKTER: Der einst unscheinbare Kane hat seit seinem Wechsel zu Bayern München und dem damit abgelegten Stigma des Ungekrönten an Profil gewonnen. Galt er früher als reserviert, intoniert der Three-Lions-Kapitän inzwischen selbstbewusst vor Fankurven Oasis-Songs oder offenbart auf Instagram (19,1 Millionen Follower) private Einblicke beim Spaziergang mit Frau, Kinderwagen und Hund. Torgigant Haaland (58,8 Millionen) bespielt die Sozialen Medien seinerseits gekonnt. Regelmäßig wandelt er mit aufgesetztem Hörnerhelm auf den Spuren seiner Wikinger-Vorfahren oder inszeniert sich in der ihm ureigenen Yoga-Jubelpose. Zudem werden seine Youtube-Vlogs millionenfach geklickt. Davon wollen auch andere profitieren: Der Musikproduzent DJ Kygo plant mit Haaland die Veröffentlichung eines Rap-Songs.
FAMILIE: Sowohl Kane als auch Haaland gelten als absolute Familienmenschen. Seit 2019 ist Kane mit seiner Jugendliebe Kate verheiratet. Beide gingen auf dieselbe Schule, die auch schon David Beckham besucht hatte – ein altes Foto zeigt die Teenager mit der Fußballlegende. Seit Kanes Wechsel zu den Bayern lebt die Familie mit vier Kindern und zwei Labradoren in München. Viele Male betonte der Engländer, seine Topleistungen wären ohne den familiären Rückhalt nicht möglich. Gleiches gilt für den heimatbezogenen Haaland. In Bryne, einer ländlichen Stadt im Südwesten Norwegens, aufgewachsen, helfe ihm Traktorfahren und das Füttern von Kühen, „den Fußballkopf auszuschalten“. Seine Athletik hat Haaland übrigens von seinen Eltern geerbt: Sein Vater Alf-Inge war einst Spieler bei Manchester City, während seine Mutter eine Mehrkampfsportlerin war.
