Marsch trotz WM-Aus stolz: „Kanadas Fußball verändert“
Kanadas historische WM endet im Achtelfinale. Für den Co-Gastgeber um Ex-Salzburg-Trainer Jesse Marsch ist das Turnier dennoch ein voller Erfolg.
Eishockey-Legende Wayne Gretzky applaudierte auf der Tribüne, Premierminister Mark Carney kleidete seinen „Stolz“ auf die „Fußballnation“ Kanada in Worte, und Marsch beschwor noch auf dem Platz die neue Ära. Die Heldenreise war beendet, das WM-Aus schmerzte, doch der Nationaltrainer sprach nach dem 0:3 (0:0) gegen Marokko aus, was viele spürten. Sein Team, sagte Marsch beim Sportsender TSN, habe „das Gesicht des Fußballs in Kanada für immer verändert“.
Canada Soccer griff die Botschaft seines leitenden Angestellten auf. „Wir haben immer daran geglaubt, dass dies ein Fußballland ist. Jetzt wissen wir, dass es so ist.“ Ergriffen von der wochenlangen Euphorie schrieb der Verband: „In den letzten Wochen haben wir erlebt, wie sich ein ganzes Land in diese Mannschaft verliebt hat.“ Die Straßen im Eishockey-Mutterland „waren ganz in Rot. Wohnzimmer wurden zu Fantribünen. Kinder, die früher davon träumten, das Wappen ihrer Herkunftsländer zu tragen, entdeckten einen neuen Traum.“
Der endete am Samstag in Houston/Texas, doch das historische Turnier mit drei Spielen im eigenen Land kann den Kanadiern niemand mehr nehmen. Nach den punktlosen Vorrunden 1986 und 2022 war der Einzug ins Achtelfinale zudem ein voller Erfolg, der das Fundament für eine goldene Zukunft sein soll. „Ich platze vor Stolz, wenn ich sehe, wie dieses Land hinter uns stand und wie die Spieler diese Last getragen haben“, schwärmte Marsch: „Was für ein großartiges Team, was für eine unglaubliche Leistung.“
„Kanadas Fußballreise hat gerade erst begonnen“
Richtig trösten musste er nur Bayern-Profi Alphonso Davies, der Kapitän musste wegen eines Rückschlags bei seiner Oberschenkelverletzung die vollen 90 Minuten gegen Marokko hilflos zusehen. „Wir wollten kein Risiko eingehen. Es war die richtige Entscheidung für ihn und seine Karriere“, sagte Marsch.
Er habe das Gefühl gehabt, „dass ich noch nicht so weit war“, gestand auch Davies selbst, als er den zahlreichen Journalisten sichtlich geknickt Einblicke in seine Gefühlswelt gab: „Es war mental sehr hart, da zu sitzen. Ich wollte keine Belastung für das Team sein, wenn ich nicht alles geben kann.“ Von außen habe er eine „sehr starke erste Halbzeit“ gesehen: „Das Spiel war greifbar für uns.“
Marsch habe in seiner emotionalen Ansprache gesagt, „dass das die beste erste Halbzeit war, die er je mit uns als Trainer erlebt hat“, berichtete Ersatzkapitän Stephen Eustáquio. Erst danach ließ der Afrika-Cup-Sieger und WM-Vierte Marokko die Muskeln spielen – und gewann letztlich durch die Tore von Azzedine Ounahi (50./82.) und Soufiane Rahimi (90.+8) verdient.
Sei’s drum. „An alle, die gesungen, gereist, die Stadien gefüllt, unser Wappen mit Stolz getragen und gemeinsam mit uns geglaubt haben: Danke. Ihr habt uns jeden einzelnen Schritt auf diesem Weg getragen“, schrieb Canada Soccer – und schloss: „Unsere Reise bei der Weltmeisterschaft endet hier. Kanadas Fußballreise hat jedoch gerade erst begonnen. Bis bald.“
