Offensive Bruchlandung: Kein drittes WM-Finale für Frankreich
Nichts wurde es mit dem dritten Finale in Serie bei Fußball-Weltmeisterschaften für Frankreich. Die Mannschaft des scheidenden Erfolgscoaches Didier Deschamps fand im Halbfinale am Dienstag in Dallas kein Rezept gegen Europameister Spanien und verlor folgerichtig 0:2. „Wir waren nicht auf dem Niveau, ins Endspiel zu kommen“, erklärte Superstar Kylian Mbappe die Bruchlandung der französischen Offensiv-Zauberer. „Die Enttäuschung ist riesig“, meinte Deschamps.
Der 57-jährige Trainer der Equipe Tricolore wirkte nach dem Abpfiff kurz versteinert, ehe er die Dinge dann doch einordnete und Bilanz zog. „Ich bin sehr stolz auf alles, was wir mit der Nationalmannschaft erreicht haben“, sagte Deschamps, dessen Amtszeit nach diesem Turnier endet. Seit 2012 betreut der „General“ das französische Team. Doch nach dem gewonnenen Endspiel 2018 und dem verlorenen vor vier Jahren gibt es unter seiner Leitung kein weiteres Finale für Frankreich.
Frankreich offensiv harmlos
„Ich habe viele schöne Momente erlebt“, meinte Deschamps. Diesmal sei „nicht so ein Moment“ gewesen. Was einerseits an den defensiv starken Spaniern lag – und andererseits an den offensiv überraschend harmlosen Franzosen. „Diese spanische Mannschaft ist offensichtlich sehr stark, und das hat sie unter Beweis gestellt. Wir lagen etwas unter unserem gewohnten Niveau und haben mehr technische Fehler gemacht als in den vorherigen Spielen. Auch körperlich hat uns ein Stück gefehlt“, analysierte Deschamps.
Mbappe, der bei dieser WM schon acht Tore erzielt hat, wehrte sich mit Kräften gegen das Aus des großen Titelfavoriten. Ousmane Dembele oder Michael Olise bekamen von den Spaniern, die bei diesem Turnier erst ein Gegentor kassiert haben, aber gnadenlos die Grenzen aufgezeigt. Phasenweise wirkten die Franzosen selbst überrascht, wie chancenlos sie gegen den Europameister waren. „Es ist ein Team, das es liebt, den Ball und das Spiel zu kontrollieren, und das haben wir ihnen erlaubt“, sagte Mbappe. „Wir waren technisch zu schlampig und konnten ihnen keinen Schaden zufügen.“
„Sind am Boden“: Frankreich nach verpasstem WM-Finale schwer gezeichnet
Lob für Europameister Spanien
„Spanien hat gut verteidigt“, konstatierte Deschamps. Die Fähigkeit von Rodri und Co., Passwege zu antizipieren und Angriffe zu unterbinden, habe Frankreich daran gehindert, einen Rhythmus zu finden. „Sie sind sehr gut darin, ihr Spiel zu verknüpfen und die Richtung von Pässen zu erkennen, um diese abzufangen. Wir haben keine Lösungen gefunden. Das ist zum Teil unsere eigene Schuld, aber Spanien verdient auch Anerkennung dafür, dass sie uns daran gehindert haben“, meinte Deschamps. Sein Team hätte in absoluter Bestform sein müssen, um zu gewinnen. „Das waren wir nicht.“
Auch der eingewechselte Rayan Cherki sprach von einer enormen Enttäuschung. Der Manchester-City-Profi war auch so ein Offensiv-Pfeil der Franzosen, der an diesem Dienstag in Dallas völlig ins Leere geflogen war. 16 Tore hatten Les Bleus in den vorangegangenen sechs Partien bei dieser WM erzielt. Die Fußball-Welt staunte, weil Mbappe, Dembele, Olise und Co. manchmal schon wenige Traumkombinationen reichten, um die gegnerische Defensive zu zerlegen und so für magische Momente zu sorgen. Alles endete an der spanischen Mauer. „Es tut weh, zu sehen, wie die Reise endet“, sagte Deschamps.
Deschamps teilt gegen Schiedsrichter aus
Seine Unzufriedenheit richtete sich auch auf den Unparteiischen. „Glauben Sie, dass der Schiedsrichter gut genug war, um ein Halbfinale zu leiten?“, fragte Deschamps nach der Partie. Manche Entscheidungen seien „fragwürdig“ gewesen. Jene, die zum Elfmeter und dem 1:0 der Spanier durch Mikel Oyarzabal in der 22. Minute geführt hatte, gehört jedenfalls nicht dazu. Auch sonst pfiff Referee Ivan Barton aus El Salvador die Franzosen nicht aus dem Turnier. Bei Spaniens 2:0 durch Pedro Porro (58.) hatten sie sich von einem einfachen Doppelpass komplett aushebeln lassen.
Statt Finale geht es am Samstag (23.00 Uhr) in Miami nun um Platz drei. Les Bleus werden versuchen, ihrem scheidenden Coach einen würdigen Abschied zu bereiten. Sie wollen Deschamps in dessen 27. WM-Spiel als Trainer den 21. Sieg bescheren. „Weil er das verdient“, sagte Mbappe. „Und die Fans es verdienen.“
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