Tennis-Größen Nadal & Murray bestreiten letzte Olympia-Auftritte
Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray zählen unbestritten zu den Größten ihrer Sportart. Bei den Olympischen Spielen in Paris werden die drei Tennis-Giganten zum allerletzten Mal bei ein und demselben Turnier aufschlagen. Während Nadal die Fortsetzung seiner Karriere nach Saisonende bis zuletzt offen ließ, wird Murray seine Laufbahn nach Olympia beenden. Djokovic denkt indes noch nicht ans Aufhören, in Paris peilt er die lang ersehnte Goldmedaille an.
Der Olympia-Coup blieb dem „Djoker“ im Gegensatz zu seinen größten Rivalen bisher verwehrt. Nadal und Murray dürfen sich sogar zweifache Olympiasieger nennen. Der Spanier triumphierte 2008 im Einzel und 2016 an der Seite von Marc Lopez im Doppel. Murray avancierte mit den Erfolgen 2012 und 2016 zum einzigen Tennisspieler der Geschichte, der zwei Einzel-Goldmedaillen gewinnen konnte. Auch Roger Federer, der bisher einzig zurückgetretene der „Big Four“, ist Olympiasieger. Der Schweizer siegte 2008 im Doppel mit Stan Wawrinka.
Nadal verpasst ersten Turniersieg seit 2022 in Bastad
Für Nadal bietet das olympische Tennisturnier eine Rückkehr in sein sportliches Wohnzimmer. Der Spanier konnte 14 seiner 22 Grand-Slam-Titel in Roland Garros gewinnen, wo die Weltelite ab 27. August um begehrtes Edelmetall kämpft. Die Olympia-Generalprobe verlief mit dem Finaleinzug in Båstad – dem ersten auf der ATP-Tour seit den French Open 2022 – durchwegs vielversprechend. Mit seinem Spiel war Nadal dennoch nicht zufrieden. „Das Niveau war weit von dem entfernt, wie es sein sollte“, sagte der 38-Jährige.
Bei seinem finalen Auftritt auf der Olympia-Bühne ergeben sich für Nadal zwei weitere Chancen, Medaillen zu erlangen. Im Einzel nimmt er dank eines „geschützten Rankings“ teil, im Doppel schlägt er gemeinsam mit Landsmann Carlos Alcaraz auf. Dieser wird in Spanien bereits als Nachfolger Nadals gesehen. Nadal selbst prophezeite Alcaraz jedenfalls eine mehr als rosige Zukunft: „Mein Eindruck ist, dass er einer der besten Spieler der Geschichte wird.“
Wie es nach den Spielen in Paris weitergeht, ließ der zuletzt von vielen Verletzungen geplagte Nadal offen. „Ich werde nach Olympia entscheiden. Ich werde den Laver Cup spielen, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich in New York sein werde“, sagte der Spanier bezüglich einer möglichen US-Open-Teilnahme. Nadal ließ in den vergangenen Monaten anklingen, dass es wahrscheinlich seine letzte Saison sein werde.
Murray beendet Karriere nach Olympia
Anders die Situation bei Murray. Der 37-jährige Schotte will seine Karriere nach dem Turnier in Paris beenden. „Physisch ist es jetzt einfach zu anstrengend. All die Verletzungen haben sich summiert“ sagte Murray. Bereits Anfang Juli wurde der dreifache Major-Sieger mit Begeisterung und großen Emotionen in Wimbledon verabschiedet. Genau an jenem Ort, wo Murray auch seinen ersten Olympiatitel gewinnen konnte.
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In Paris zählt Murray allerdings nur zu den Außenseitern. Der 37-Jährige wurde in diesem Jahr neuerlich vom Verletzungspech verfolgt, bei der „Generalprobe“ French Open scheiterte er bereits in der ersten Runde an Wawrinka. Den Einzelbewerb in Wimbledon verpasste Murray zuletzt, da er nicht rechtzeitig fit wurde. Er musste sich vor Turnierbeginn einem Eingriff am Rücken unterziehen, um eine Zyste entfernen zu lassen.
Murray ist wie auch Wawrinka dank einer Wildcard dabei, die für ehemalige Grand-Slam- und Olympiasieger vorgesehen ist. Auf eine dieser beiden Sonder-Wildcards hoffte auch Ex-US-Open-Sieger Dominic Thiem, der Niederösterreicher ging aber leer aus. Auch weil Thiem auf Tokio 2021 verzichtet hatte, wird er seine Karriere ohne Olympia-Teilnahme beenden.
Für Djokovic reichte es bei Olympia bisher nur zu Bronze 2008 in Peking, 16 Jahre später will der Serbe die letzte echte Lücke seiner Trophäensammlung schließen. Ob Paris die finale Chance dafür ist, ließ Djokovic offen. Der Serbe betonte in der jüngeren Vergangenheit, dass er eine Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles nicht kategorisch ausschließe. Allerdings wäre er dann bereits 41 Jahre alt.
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Topfavorit ist Djokovic im Einzel jedenfalls nicht. Diese Rolle bekleidet unbestritten Alcaraz. Der 21-Jährige gewann heuer bereits die French Open und Wimbledon. Zu weiteren großen Konkurrenten des „Djokers“ um das lang ersehnte Gold zählen Jannik Sinner und Titelverteidiger Alexander Zverev. Aber auch ein Nadal darf in Paris nie abgeschrieben werden.
Olympia als Grabher-Comeback auf großer Bühne
Ausgerechnet bei den Olympischen Spielen bestreitet Julia Grabher an diesem Wochenende ihr erstes Match auf höherem Level seit fast einem Jahr. Nach dem Achtelfinal-Out am 22. August des Vorjahres in Cleveland gegen die Chinesin Zhu Lin musste sich die Vorarlbergerin wegen einer Handgelenksblessur in eine rund siebenmonatige Matchpause verabschieden, seither bestritt sie nur einige der kleineren ITF-Turniere. Und nun geht es für Grabher erstmals auf die olympische Bühne.
Die Vorfreude von Österreichs aktueller Nummer zwei ist enorm. „Roland Garros ist mein Lieblingsort, ich komme extrem gerne hin“, bezog sich Grabher auf den Austragungsort des Turniers am sonstigen Schauplatz der French Open. „Dass die Olympischen Spiele dieses Jahr da sind, ist unglaublich. Ich freue mich mega.“ In den vergangenen drei Wochen bestritt sie in Vorbereitung darauf drei Turniere, in denen sie ihre ersten drei Matches nach dem Comeback gewann, verpasste dadurch aber den Einkleidungstermin und die Angelobung des Olympia-Teams.
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„Das ist schade, aber ich musste schauen, dass ich sportlich so gut wie möglich vorbereitet bin und ein paar Matches sammle. Das Sportliche muss ich da in den Vordergrund stellen“, erklärte die 28-Jährige. Ihr bisher letztes Match gab sie am vergangenen Freitag wegen muskulären Problemen im Schlagarm auf, mittlerweile folgte Entwarnung. „Ich hatte zwei lange Matches von über zwei Stunden. Ich bin die Belastung noch nicht so gewohnt und wollte vor Paris nichts weiter riskieren, dass ich es schlimmer mache und ich ein paar Tage pausieren muss“, begründete Grabher ihre Aufgabe.
Im Mai hatte sie sich wegen einer Entzündung erneut einem Eingriff am Handgelenk unterzogen, Knochenmarksödem sei es keines gewesen. Jedenfalls gehe es seither aufwärts. „Natürlich ist es noch nicht perfekt, aber es ist ein Prozess.“ Olympia per „protected ranking“ spielen zu können, sei eine perfekte Gelegenheit. „Ich bin nicht in Hochform, aber ich habe die letzten Wochen alles gemacht, was ich konnte – dass ich viel trainiere, dass ich ein paar Matches bekomme. Natürlich kann man sich den Zeitpunkt nicht aussuchen, aber ich bin jetzt guter Dinge und freue mich extrem.“
Ihr sei klar, dass sie nicht in Topform sei und wahrscheinlich in jedes Match als Außenseiterin gehe. „Trotzdem hoffe ich, solange wie möglich im Turnier zu bleiben.“ Und dass sie das olympische Flair genießen könne. „Ich weiß gar nicht, was mich erwartet“, sagte Grabher vor der für (den heutigen) Mittwoch erfolgten Anreise im APA-Gespräch. „Ich finde es richtig cool, Olympia wird eine neue Erfahrung. Die unterschiedlichen Sportarten, das sind wir vom Tennis gar nicht gewohnt. Da kann ich sicher nur positive Sachen und für die kommenden Monate positive Erfahrungen mitnehmen.“
(Red.)
Beitragsbild: Imago.
