VAR under review – oder eben nicht
Bei der WM stehen nicht nur die Spieler, sondern auch die Schiedsrichter und der VAR unter ständiger Beobachtung. Sky-Kommentator Benjamin Vollmann ordnet einige überraschende und schwer nachvollziehbare Entscheidungen ein.
Nichts gesagt ist oft genug gelobt: Die Jobdescription der Unparteiischen zählt zu den eher undankbaren auf dieser Fußballwelt. Und das, obwohl sie es im Profifußball in Sachen Laufleistung im Regelfall locker mit etlichen Spielern aufnehmen können, sich selbst im Spiel allerdings zu keiner Zeit rausnehmen dürfen und auch im Kopf nie auf standby schalten können.
Dass da auf dem Feld in 90 Minuten der eine oder andere Fehler passiert, sollte hoffentlich für jeden verständlich sein. Definitiv weniger verständlich sind bei dieser Weltmeisterschaft trotzdem so manche Entscheidungen.
Diskussionen bei Argentinien-Führungstreffer
Das Regelwerk ermöglicht Interpretationsspielraum. Dieser wird bei dieser WM aber so stark ausgekostet, dass es auf Kosten der Nachvollziehbarkeit geht. Vor allem, was die Entscheidungsfindung seitens des VAR betrifft. Als überzeugter Befürworter dieser Institution ist dann auch die Sichtweise der VAR-Kritiker verständlich.
Dass der Großmeister Lionel Messi gegen Österreich nach seinem Foul im Spiel zuvor gegen Algerien überhaupt treffen durfte, dient als anschauliches Beispiel. Dass vor Österreichs 0:1-Gegentor gegen den Weltmeister durch – richtig – Messi in der Entstehung nicht auf Freistoß nach Foul an Xaver Schlager entschieden wurde, dient als weiteres Exempel. Für all jene, die zu viel rot-weiß-roten Teint in der Aufzählung erkennen: Die Intervention vor dem frühen Strafstoß für Argentinien war vollkommen korrekt und ein Muster, wie eine solche Aktion abgehandelt gehört.
VAR-Drama bei England gegen Ghana
Ein weiteres Beispiel liefert unter anderem der nicht gegebene Strafstoß für Ghana im Spiel gegen England. Dass der Unparteiische Ezri Konsas Einsteigen auf dem Feld falsch einschätzt, ist das eine. Aber dann sollte zumindest der VAR intervenieren. Oder um es in den Worten von Ghanas Teamchef Carlos Queiroz zu formulieren: „VAR went for Coffee.” Harte Kritik, aber verständliche Kritik.
Die vielen richtigen Entscheidungen sind nur selten Thema in der Auseinandersetzung mit einem Fußballspiel. Das ist eben der eingangs angesprochene Teil der Jobdescription. Und der täuscht auch darüber hinweg, dass sehr viele Schiedsrichter – auch aus den eher „kleinen” Fußballnationen – sehr ordentliche Leistungen erbringen. Trotzdem sollte man sich in gut einem Monat, wenn die heimische Bundesliga und somit vielerorts auch die Kritik an den Schiris wieder startet, daran erinnern: Selbst bei dieser Mega-WM des Staunens gibt es Entscheidungen, die einen vor allem eines lassen: staunen.
