„Ein absoluter Leader“ – Lobeshymnen für Englands Kane
Mit dem 4:2-Auftaktsieg über Kroatien haben Englands Träume vom ersten WM-Titel seit 60 Jahren weitere Nahrung erhalten.
Im Mittelpunkt stand am Mittwochabend Harry Kane, der aktuell in der Form seines Lebens agiert und mit seinem Doppelpack den Weg zum Sieg bereitete. Der Bayern-Stürmer rieb sich aber auch hinten für die Three Lions auf. „Er ist bereit, Dinge zu tun, die ein Star normalerweise nicht tut“, befand die schwedische Ikone Zlatan Ibrahimovic anerkennend.
In der Nachspielzeit blockte Kane im eigenen Strafraum einen Schuss von Josko Gvardiol mit dem Bauch ab. Wenn man sich diese Aktion in der Defensive anschaue, sagte Trainer Thomas Tuchel, „dann weiß man alles über seine Leistung heute. Eine komplette Leistung, ein absoluter Leader“, sagte der Deutsche. Er wiederum erhielt Lob von Kane für seine Worte in der Halbzeit. „Er hat eine großartige Ansprache gehalten, um ehrlich zu sein“, erzählte Kane. „Er hat uns gesagt, wir sollen die Fesseln abwerfen, uns beruhigen. (…) Lasst uns einfach loslegen und der Welt zeigen, wer wir sein können.“
Was folgte, war phasenweiser Dauerdruck der Engländer im Dallas-Stadion und die entscheidenden Treffer durch Jude Bellingham und Marcus Rashford. Er habe sich zuerst hingesetzt, den Spielern etwas Zeit zum Runterkommen gegeben und erst dann gesprochen, sagte Tuchel. „Es war kurz, es war ruhig“, erklärte der 52-Jährige. Er habe seine Spieler wegen der Defensivprobleme und Passivität nicht etwa kritisiert, sondern „ermutigt, unseren Weg zu gehen“, so Tuchel: „Ich wollte, dass sie mutig sind, engagiert und intensiv.“
Defensive Fragezeichen
Nicht alles war freilich eitel Wonne. „Die wacklige Viererkette von Thomas Tuchel darf sich nicht zu sicher fühlen, denn sonst könnte das Turnier doch noch zu einer ziemlichen Katastrophe werden“, warnte etwa die Tageszeitung Sun. Ähnliches schrieb die Daily Mail. „Die Three Lions haben die Feuerkraft, um bei dieser Weltmeisterschaft mit Harry Kane und Jude Bellingham an der Spitze weit zu kommen – aber das Team muss sich defensiv schnell verbessern.“
Während Kane mit Lobeshymnen überhäuft wurde, musste sich ein anderer Superstar viel Kritik anhören. Portugals Altmeister Cristiano Ronaldo blieb beim 1:1 gegen den krassen Außenseiter DR Kongo völlig blass. Auch Trainer Roberto Martinez wurde danach in die Mangel genommen – für seine Entscheidung, den 41-Jährigen in dessen 229. Länderspiel nicht früher ausgewechselt zu haben. Martinez hatte dazu eine klare Meinung: „Es ergibt keinen Sinn, den größten Goalgetter des Weltfußballs auszutauschen – in einem Spiel, in dem du Tore brauchst.“
(APA) / Bild: Imago
